BEWERTEN
 

SUSANNAH McCORKLE

»Someone To Watch Over Me - The Songs Of George Gershwin«

[Concord Rec / edel contraire]

Text: Autor unbekannt

GEORGE GERSHWIN ist leider zu tot, um seinen hundertsten Geburtstag im Herbst dieses Jahres noch höchstselbst begehen zu können. Folglich müssen das andere für ihn übernehmen. Für die Amerikanerin SUSANNAH McCORKLE schon fast eine Routineangelegenheit. Als Chanteuse der Premiumklasse hat sie sich bereits um die Pflege des Repertoires eines IRVING BERLIN oder COLE PORTER verdient gemacht. Ob man die durchweg soliden Einspielungen der üblichen GERSHWIN-Mega-Hits wie \"I Got Rhythm\", \"It Ain't Necessarily So\" und natürlich \"Summertime\" jetzt zwingend braucht oder nicht, sei an dieser Stelle einmal generös dahingestellt und dem Urteil jedes einzelnen überlassen - gewissermaßen mein persönliches Geschenk anläßlich des heraufdräuenden Ehrentags (who could ask for anything more?).

Bemerkenswert ist auf jeden Fall der hohe Grad an Einfühlungsvermögen, das dem - leichte Muse hin oder her - durchaus nicht unproblematischen Material entgegengebracht wird (sieht man einmal von den fürchterlich schnöden Synthiestreichern auf dem Titelstück und dem unangemessenen Untertitel der CD ab, mein zweites wie drittes Donum). Zudem oszilliert McCORKLEs approach recht anregend zwischen respekt- und humorvoll: So benutzt sie im Intro zu \"I Got Rhythm\" ein paar herrlich alberne dummy-lyrics, die Ira Gershwin, Georges jüngerer Bruder und Texter, zunächst anfertigte, um melodische Sicherheit zu erlangen. McCORKLEs erklärte Vorliebe für lateinamerikanische Rhythmen weiß sie den Arrangements gekonnt unterzujubeln: spicy, indeed, aber niemals wird das Material dadurch beschädigt. Und auch \"Summertime\" läßt sich dann doch - dank einer kleinen Spezialität - mehr als nur verkraften: Einzige Begleitstimme ist ein mit dem Bogen gestrichener Baß, was die gewohnte Leichtigkeit und Beschwingtheit des Stückes gekonnt dekonstruiert. Geht als gelungen durch.
Einen etwas anderen Weg gehen die MOBYLETTES, die etwas andere Band aus Hamburg. Sie stülpen GERSHWIN just mal die Käseglocke ihres eigenen Konzepts über, das da heißt: Girl-Group-Pop der Sechziger. Was immer mal wieder komische Momente zeitigt, gewiß. Doch ein solcher Versuch bedingt schon auf Seiten des kompositorischen Materials, daß das Girl-Group-Konzept sich auf ganzer Linie durchsetzt, hält man interpretatorisch nicht entschieden dagegen. Doch dazu sind die MOBYLETTES in ihrer Sache leider viel zu geübt. Das Girl-Group-Konzept (und seine logische Banalität, \"Blah Blah Blah\", um selbst einmal mit GERSHWIN zu sprechen) wird an keiner Stelle gebrochen. Was bleibt, ist Dekadenz mit Cocktailkirsche. Da kann man in Mono aufnehmen, wie man will, und auch die brachialste Spielauffassung seitens der Band kann nicht vergessen machen, daß Diana Diamond ihre Zigarettenspitze ausschließlich mit Glacé-Handschuhen anfaßt. Auch wenn hier \"I Got Rhythm\" zugegebenermaßen sehr gelungen ist, kann ich nicht verhehlen, daß mir die MOBYLETTES ohne GERSHWIN weitaus sympathischer sind. Aber \"Kicking The Clouds Away\" dürfte ja dazu gedacht sein, daß Leute wie ich so etwas schreiben.



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