BEWERTEN
 

SCREAMIN' JAY HAWKINS

»At Last«

[Loudsprecher / Indigo]

Text: Autor unbekannt

Unkraut vergeht nicht. Einer der schlimmsten Finger unter allen Blues-Legenden der zurückliegenden fünfzig Jahre rafft sich noch einmal zu einem Album auf. Darauf furzt, rülpst, röchelt und kreischt der SCREAMIN' JAY HAWKINS, als wäre er immer noch in dem jugendlichen Alter, in dem er einst seinen bis heute größten Hit "I Put A Spell On You" geschrieben hat. Ein Energiebündel mit Sonderklasse. Inzwischen stattliche 73 Jahre alt, ist der Mann aus dem mittleren Westen auch heute noch zu jeder Schandtat bereit. Der Witchdoctor striemelt sich durch die elegischen Schemata, verdreht die Augen und zeigt dem Hörer rhetorisch seine Arschbacken. Hier köchelt eine Kultur, die möglicherweise von Weißen nie umfassend begriffen werden wird.

HAWKINS ist Zeitzeuge und lebendes Beispiel dessen, was in der Dekade, als der Rock'n'Roll erfunden wurde, Relevanz besaß. Die Werte sind bodenständiger und wahnsinniger zugleich. Und das hört man auch auf "At Last" in jedem Ton, der aus den Boxen schallt. Aufgenommen im traditionsreichen Studio von Sam Phillips in Blues-Metropole Memphis, brutzelt hier die Glut, die der Irrsinn Rock'n'Roll über vier Jahrzehnte angerichtet hat. Ein charismatisches und faszinierendes Tondokument. Sicher nicht das Beste, was SCREAMIN' JAY HAWKINS bisher aufgenommen hat. Wäre aber auch schlimm.



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