BEWERTEN
 

BUSTA RHYMES

»Raps und Drogen und Popozeigen«

[10.04. - Berlin, Columbiahalle]

Text: Autor unbekannt

Die Gesundheitsminister der Europäischen (Interessen-) Gemeinschaft behaupten ja durchaus zu Recht, daß der Genuß von Tabakwaren Gesundheitsschäden zur Folge haben kann, und daß man daher die Jugend der Welt so fern wie möglich von diesen Teufelsdingen halten sollte. Dennoch richtete sich diese von einer Zigarettenfirma \"unterstützte\" Veranstaltung vorwiegend an Junggebliebene zwischen 13 und 17 ½ oder an diejenigen, die zumindest deren Sprach-, Dress- und Verhaltenscode entsprechen.
Die neueste, natürlich mega-street-tough-superalt aussehende Clubwear wird zur Schau getragen, die Hände sind vergraben in Hosentaschen, die bis zu den Knöcheln reichen.

Anabolika-Posse trifft Dürre-Hering-Crew. Man klatscht ab, verschränkt die Hände in minutenlangen Begrüßungsorgien, checkt kurz die Bitches ab und wendet sich dann dem DJ zu, der seit geraumer Zeit ein mainstreamiges HipHop-Repertoire auflegt. Dennoch allgegenwärtig: der geheime Kampf um das größte Insiderwissen, der den darstellungsfreudigsten unter den Tänzern den jeweils nächsten Track schon wissend-lächelnd begrüßen läßt, noch bevor der DJ ihn überhaupt auf dem Teller hat. Nach ermüdenden zwei Stunden kommen zwei Vertreter von BUSTAs FLIPMODE SQUAD auf die Bühne. Der Turntablist leitet den Abend der Schlüsselreize ein: \"Berlin make some noiiiize!\" Spliff Star, der MC an BUSTAs Seite, reiht sich ein: \"Pump your fist in the air like this!\" Das alles und noch viel mehr macht die Crowd bereitwillig mit, zeigt ihre Begeisterung und - vor allem - streetness, schon lange bevor der Star des Abends die Bühne betritt. Ganze zwei Songs bringt das Trio dann hinter sich, bevor die endlose Quatscherei vollends losgeht. Angefangen mit einer \"das Publikum in drei Teile teilen, und wer kann am lautesten 'Fuck You' schreien\"-Orgie über \"Zeigt mir euer Dope, und dann rauchen wir zusammen\" bis zu \"Das hier ist eine echte Party, und ich ficke gerne nach Parties. Wenn also eine Lady gerne mit mir ficken möchte, dann soll sie auf die Bühne kommen!\"-Geseiere. So dämlich, wie es überhaupt nur geht. So ärgerlich, daß die zweifellos kraftvolle Performance völlig unbedeutend wird. Das Publikum ist allerdings anderer Meinung und feiert ihren real street HipHop-Helden, der Berlin als real street HipHop-City auch ordentlich Honig ums Maul schmiert. Was noch? Ein Bodyguard, der mit seinen zuckenden Brustmuskeln einen Drumbeat begleitet; die nackten Ärsche der drei Hauptpersonen, dem Publikum fröhlich entgegengereckt; der Flug eines Plastikbechers in Richtung BUSTA, der daraufhin ins Publikum brüllt: \"Come up here, you pussy, and do that again!\" Begleitet von \"Pussy, Pussy!\"-Rufen wird ein armes Opfer Richtung Bühne geschoben, von BUSTA RHYMES mit Wasser vollgespritzt und mit den Worten \"You Pussy! Now you're a wet pussy!\" bedacht. Ist das die HipHop-School of '98 oder nur zu gutes Gras? Alles kann und soll man auch mit dem Party-Argument nicht entschuldigen.



Artikel kommentieren
aus Intro #54 (Mai 1998)
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • Nächste Tour-Termine

  •  
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]

 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]