BEWERTEN
 

DAWNBREED

»Aroma«

Text: Autor unbekannt

Von DAWNBREED kündeten schon landauf, landab fleißige Konzertgänger: eine explosiv-krachende Angelegenheit habe man zu erwarten und jedenfalls genau das Richtige für Freunde einer Reise durch Sperrigkeit, Vertracktheit und epische Monstranz. Da wurde Vorfreude geweckt wie auch Wahres gesprochen, durchzuckte es mich, als ich das nach etlichen Singles und dem Debüt \"Kiosk\" zweite Album abhörte. Es finden sich ebendort knapp 40 Minuten Noiserockcore eindringlicher Art, verwandt den weltweiten, nunmehr verblichenen PARTY DIKTATOR, GENTLE VEINCUT (insbesondere wegen der Bläser), vielen anderen bewährten Bands aus dieser für mich sehr erfrischenden musikalischen Ecke und den dahinterlauernden mächtigen JESUS LIZARD, allerdings mit deutschem, etwas nach hinten gemischtem Gesang.

Das nimmt und reißt mit, spart nichts aus von dem, was gekonnt gespielter, energievoller, harter Sound, der mit Freuden eben nicht Moshcore ist, so nötig braucht, und siegt auf ganzer Linie. Variantenreich, untergründig und wundervoll. Oder auch urban, zynisch und gemein, wenn's nach dem Label geht.
Fünf Mitwirkende von DAWNBREED verdingen sich auch bei MONOCHROME, gemeinsam werden die beiden mit THE WORLD / INFERNO FRIENDSHIP SOCIETY die USA betouren. Letzteren dichtete ich in der letzten Ausgabe auf dünner Indizienbasis textliche Ungereimtheiten an. Das ist Quark; die Damen und Herren haben sich auf ihrer Wintertour als freundliche und WEILL-beeinflußte ehemalige Punkrocker wie auch übertrieben wirrer Neigungen total unverdächtig entpuppt. Empfehlenswertes Package!
MONOCHROME legen eine Maxi-/Mini-CD mit 25 Minuten Sound vor, aufgeteilt in vier recht unterschiedlich anmutende Songs. Der Opener \"Radio Super Luxe\" rockt quer und kracht, ist aber trotzdem DAWNBREEDschen Anwandlungen nicht zu ähnlich, da weniger komplex, und von der Struktur in die AMBUSH-Ecke weisend, ohne aber so zu wuchten. Statt dessen wird das Heil in feinen Gitarrenmelodien gesucht, auf denen sich dann weiblicher und männlicher muttersprachlicher Gesang die Ehre geben. Im folgenden \"Fallstudien\" demonstriert der Achter dann eindrucksvoll, wie daraus Hitträchtiges werden kann. Das war's aber auch schon mit Ansätzen der Popschiene, es nahen noch unaufgeregt-chilly Effektblubberndes (\"Du Jazz De La Lourdeur\") und Jazziges samt mich belebender Hektik und Stückerl fetten Moshcores als Rausschmeißer (\"Stranden\"). Beim Werkeln dieser vielseitigen Bande sind viele wunderschöne Ansätze, teilenswert guter Geschmack und reichlich Könnerschaft zu entdecken, nur scheint mir in der zweiten Plattenhälfte einiges etwas unfertig respektive betont fragmentarisch oder ohnehin als Jamsession gedacht - für den Beteiligten sicher eine freudestiftende Angelegenheit, für den Zuhörer machmal nicht ganz so.
Eine DAWNBREED/MONOCHROME-Tour auch in hiesigen Gefilden wäre aber jedenfalls eine feine Angelegenheit. Könnten gerne auch mit ELLIOTT SHARP & CARBONE kommen.



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