Ladies Night
»ASSASSINS, BIS, SLEATER KINNEY«
Text: Autor unbekannt
\"Schön, daß so viele Mädchen gekommen sind\", meinte die Sängerin der ASSASSINS aus Minden, die als Ersatz für die kurzfristig ausgefallenen HELIUM eingesprungen waren. Das stand dann auch gleich für die Tendenz des Abends. Obwohl: So schlimm wie einen Tag zuvor in Hamburg wurde die Sache denn doch nicht. Da wurde nämlich ein Paparazzi von aufgebrachten Riot Grrrls gelyncht (was hoffentlich von VIVA festgehalten wurde). Vergleichsweise friedlich ging's im üppig gefüllten Underground zu. Bevor die wandelnde Musikgazetten-Coverstory SLEATER KINNEY die Bühne betrat, ließen sich besagte ASSASSINS auf sympathische Art von ihren z. T. genialen Schrammelpop-Songs überwältigen, haderten mit dem Rhythmus und absolvierten ein auch ansonsten gelungenes, extracooles Basistraining in Sachen Rock&Roll.
Danach durften BIS aus Glasgow wieder einmal beweisen, daß man nicht unbedingt in die Steckdose fassen muß, um unter Strom zu stehen. Mit einer unbändigen Energie und fast beängstigendem Bewegungsdrang, der sich von Show zu Show zu steigern scheint, präsentierte das Trio wieder mal eine gelungene Performance in Sachen Toy-Pop mit Dance-Appeal. Die neuen Tracks fügten sich hierbei nahtlos in das bisherige hyperaktive Werk ein: von Abgeklärtheit nach wie vor weit und breit keine Spur.
Schließlich gab's dann den zur Zeit hipsten, aktuellesten und verdientermaßen erfolgreichen Dance-Punk pur. Die drei Mädels von SLEATER KINNEY kommen im Vergleich zu den o. a. teilweise arg geposten Covershots verhältnismäßig klein, sympathisch und unscheinbar daher. Das ändert sich, sobald sie die Bühne betreten. Angetrieben von Drummerin Janet Weiss' unerbittlicher, körperbetonter Motorik, entfacht dieses Trio mit minimalen Mitteln die zur Zeit wohl aufregendste Variante von punkorientierter Rockmusik. Ganz ohne Baß konstruieren Carrie Brownstein und Corin Tucker vertrackte, treibende Gitarrenfiguren, die als Basis fungieren für Corins sirenenhaften Gesang, der sich bohrend und prägnant durch die Songs schlängelt. Ungleich etwa Curt Cobain, muß Corey diese Art des Gesangs nicht technisch erzwingen, sondern ergeht sich hierbei im Gegenteil in nonchalanter Coolness. Das soll nicht heißen, daß SLEATER KINNEY etwas für Stubenhocker ist: Carries Einladung zum Tanz blieb nicht ohne Feedback. Das Publikum, darunter die bereits erwähnten Support-Acts, ließ sich nicht lange bitten. Hierbei half es denn auch eher, daß ausschließlich Uptempo-Nummern präsentiert wurden, die dank des staccatoartigen Rhythmusgeflechts zudem ständig schneller zu werden drohten. Obwohl sich in dieser Massierung die Tracks doch etwas ähneln, haben SLEATER KINNEY immer noch genügend griffige Hits im Repertoire, um die Sache spannend zu halten. Mangelnde Bandbreite wurde eh durch ansteckende Energie wettgemacht. So was inspiriert - und so stürmten denn zum heimlichen Höhepunkt \"Turn It On\" Johnny Disco und Sci-Fi-Steven von BIS auf die Bühne, um als Go-Go-Boys noch mal tüchtig einzuheizen. Die gute Stimmung des Events basierte eh zum Teil auf den positiven Vibes, die die Bands auch untereinander verströmten, was sich nahtlos ins Publikum übertrug. Lediglich die politische Brisanz kam etwas zu kurz, denn auf die Texte hörte an diesem Abend nun wirklich niemand ...
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