BEWERTEN
 

ROBERT WYATT

»Shleep«

[Hannibal / RYKO / VÖ: 29.09.1997 ]

Text: Autor unbekannt

Im Frühherbst '91 ist es \"Dondestan\"; jetzt, im Spätsommer '97, \"Shleep\" - immer das optimal ausgeleuchtete jahreszeitliche Surrounding für die Musik von ROBERT WYATT, wieder kaum zu fassen. WYATT, seit mehr als dreißig Jahren aktiv, wo mancher längst aufgegeben hätte (bekannt geworden als Drummer von SOFT MACHINE und später MATCHING MOLE, ist er seit den frühen Siebzigern wegen Querschnittlähmung nach Fenstersturz auf den Rollstuhl angewiesen), unbeugsamer Sozialist, als der er sich auch schon mal gepflegt irren konnte (\"Stalin Wasn't Stallin'\"), wird und wurde Impulsgeber und Einfluß genannt von anderen Größen der Zunft wie ROY HARPER, CARLA BLEY, PETER HAMMILL, BRIAN ENO oder ELVIS COSTELLO, dessen \"Shipbuilding\" er, wie auch \"At Last I Am Free\", klassische Ballade der '70er Disco-Band CHIC, oder PETER GABRIELs \"Biko\", in sehr angeeigneten und wunderbaren Versionen aufzunehmen wußte.

Wie man auch hier weiß Gott (oder wer) nicht immer weiß, wie einem geschieht, erinnert manches an die solcherart gedeckter Klangwelt nur selten eigene Brisanz von WYATTs '74er Solo-Debüt \"Rock Bottom\". Seinerzeit, auf so mancher Fete auf dem Fußboden, konnte man gelegentlich Mitmenschen auf dem Teppich rollend zur und wegen der Musik von \"The Sea Song\" entrückte Tränen vergießen sehen. Einige der schon damals Vollbringenden sind auch heuer wieder Mitglied der illustren Musikerkollekte, die ihre beträchtlichen Talente erneut erfreut in WYATTs Hände legt; neben den Gitarristen PHIL MANZANERA, PHILIP CATHERINE und PAUL WELLER, dem Saxophonisten EVAN PARKER, BRIAN ENO as himself, der Posaunistin ANNIE WHITEHEAD, Lebensgefährtin ALFREDA \"ALFIE\" BENGE als Coverdesignerin, gelegentliche Co-Texterin und -Produzentin, ist ROBERT selbst Keyboarder, Trompeter, Bassist, extraordinärer Percussionist. Und natürlich Sänger. Müßig nach wie vor, seine ihresgleichen suchende, scheinbar selbst singende, hohe Stimme auch nur halbwegs treffend beschreiben zu wollen, wie auch die Musik auf \"Shleep\" selbst viel zu gesund daherkommt, als daß sie bloß schizophren genannt werden könnte. Wiewohl sie genau das ist - ätherisch und westeuropäisch, folkloristisch und sophisticated, fließend und organisiert, gleichzeitig immer warm, gefühlvoll und im besten Sinne menschlich, humorvoll. \"Shleep\" hat unprätentiöse Genialität (was wohl kreative Weisheit bedeutet) und den Freigeist eines meditierenden Groucho Marx, ist eine Brise aus Nord-Nordost, anregend und klar, heiter bis wolkig, \"... glide over sand / around the rocks / back through the wavering weeds / ... / against the icy waterflow ...\" (\"Maryan\").



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]

 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]