BEWERTEN
 

CHARLES CURTIS TRIO

»Lesser Writings«

[Strange Ways / Indigo / VÖ: 04.08.1997 ]

Text: Autor unbekannt

CHARLES CURTIS und sein Hamburger Trio nehmen formvollendete Platten mit einem kleinen Haken auf, der wohl hauptsächlich für sie selbst einer ist. Der Wohlklang zwischen Sinuswellen, getragenen Popsongs und ruhig gesprochener Lyrik läßt uns trotz oder vielmehr aufgrund seiner Schönheit zart dahindämmern. Zumindest war das auf dem letztjährigen Debüt \"Volcanoes\" so. Oder auch nicht. So war das jedenfalls nicht gedacht! (Obwohl es an sich eine nette Sache ist.) Mit seinen neuen Veröffentlichungen klagt CURTIS nun in unterschiedlicher Art und Intensität Verbindlichkeit ein. \"Lesser Writings\", seine zweite Platte für \"Strange Ways\", ist vergleichsweise offensiv ausgefallen; das viertelstündige Titelstück, zugleich Höhepunkt der Platte und bisher beste Arbeit des Trios, gerät geradezu expressionistisch.

Mit Dämmern ist hier nicht mehr viel; und wenn doch einmal, so dauert es nicht lange, bis man aufgeweckt wird; nach getragenem zweiten Stück z. B. von einer \"Come Together\"-Coverversion, bezüglich derer ich nicht mehr sagen möchte, als daß man sie mal gehört haben sollte. Der obligate Charakter hat zur Folge, daß die Grundidee der stehenden Klangwelle in den Hintergrund tritt und \"Lesser Writings\" ungewohnt weit in den Indierock-Kontext hineinragt.
\"Ultra White Violet Light\" dagegen fordert Geltung im ursprünglich konzeptionellen Sinne. \"Hör zu, sonst hörst Du nichts!\" entgegnet die simultan abzuspielende Doppel-EP dem Duselwilligen und geht damit im kleineren Label- und Auflage-Rahmen zurück in das New Yorker Spannungsfeld zwischen minimalistischer Strategie, Neuer Musik und Noise-Kram, aus dem es CURTIS als professionellen Cellisten vor einigen Jahren aus verschiedenen Gründen nach Hamburg verschlagen hatte. Die vier Plattenseiten, in unterschiedlicher Dichte schwankend zwischen (CURTIS TRIO-) Song, (CURTIS-) Cello-Soundscape und gesprochenem Wort, werden jeweils getragen vom gleichen Sinus-Akkord; d. h., sie passen an jeglicher Stelle zusammen und können frei kombiniert werden; anbei liegen zwei geschriebene Seiten, dicht gedrängt mit Erklärungen, Ideen, Vorschlägen und vorsichtigen Anweisungen des Autors für Aufbau und Umgang. - Kunstkacke? Wie dem auch sei, im Ergebnis jedenfalls die beeindruckendste Räumlichkeit, die ich je erlebt habe. Da können Worte nur lügen. Und wer nach geleistetem Engagement dann doch wieder nur von einer \"Klangtapete\" sprechen möchte, dem sei es edel gegönnt.



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