BEWERTEN
 

SIBYLLE BERG

»Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot«

[Reclam Leipzig, ISBN 3-379-01577-6, 180 S., DM 16,-]

Text: Autor unbekannt

Das vielzählige Personeninventar in Bergs Debütroman entstammt allesamt dem gewöhnlichen Horrorkabinett des urbanen Single. Tragische Figuren, um die dreißig zumeist, deren feinsäuberlich kultivierten Macken teilweise schon ins Pathologische hineinreichen. Sie sind egoistisch, narzißtisch, liebes- bzw. beziehungsunfähig, magersüchtig, frigid und bisweilen hochgradig suizidgefährdet. Am schlimmsten ist jedoch die Einsamkeit, das Alleinsein, hier ist der Leidensdruck am größten. Um die (Sehn-)Sucht nach Liebe und Glück - die in den beschriebenen Formen nicht mehr ist als die billige Selbstbestätigung des angeknacksten Egos - zu befriedigen, genügt die rauschhafte Triebabfuhr im one-night-stand, gleichgültig mit wem und zu welchem Preis.

Es zählt einzig das Gefühl, die Einsamkeit für einen Moment überlistet zu haben. Der Ekel am Morgen danach wird so billigend in Kauf genommen wie der Brummschädel nach dem Suff. Obgleich die Suche nach einer festen Bindung, einem Menschen, der für einen da ist, wenn man ihn braucht, die treibende Kraft aller Protagonisten ist, bleibt die diffuse Furcht vor Nähe und Zweisamkeit: \"Ein Paar kann zusammen essen gehen. Ins Kino gehen, Geschlechtsverkehr haben, Freunde besuchen, um mit denen auch was zu essen oder ins Kino zu gehen. Geschlechtsverkehr seltener. Irgendwann läuft es immer darauf raus, daß ein Paar zusammen im Bett liegt und fernsieht. Als Paar ist man noch ungnädiger der Langeweile gegenüber. Kann sich einreden, die Langeweile strömt vom Partner ab.\" Und genau in diesem Mißverständnis ist der Grund zu suchen, weshalb es am Ende des Buches nicht nur einmal zur Katastrophe kommt.



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aus Intro #48 (Oktober 1997)
 
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