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AERIAL M

»Aerial M«

[Domino / RTD / VÖ: 03.09.2002 ]

Text: Autor unbekannt

An dieser Stelle ernsthaft über die Existenz eines möglichen Post-Rock-Phänomens zu diskutieren wäre in etwa so überflüssig wie die Tatsache, daß selbst unendlich \"alternative\" Rock-Schemata anno '97 mehr denn je in einer offensichtlich irreversiblen Identitätskrise verkehren, die mehr und mehr etablierte Acts dazu veranlaßt, ihre Fühler in Richtung Elektronica auszustrecken bzw. nach Formeln zu suchen, die Wegbereitern wie CAN oder NEU bereits Ende der Sechziger das Prädikat \"innovativ\" einbrachten.
Auch AERIAL M aus Louisville, Kentucky ergehen sich nicht (mehr) in großen Gesten, sondern betreiben auf ihrem gleichnamigen Debüt minimalistische Klangmalerei zwischen SLINT light und beinahe meditativem Easy Listening Jazz.

Im selbstgesteckten Rahmen und mit nahezu konventioneller Instrumentierung entstehen so wunderschöne, atmosphärisehe Instrumentalepen ohne überflüssigen Bombast, deren assoziatives Stimmungsbarometer von schummrigen Film Noir-Klängen bis zu idyllischen Indian Summer-Impressionen reicht, ohne sich dabei in artifiziellen Strukturen zu verlieren: Manna für die Sinne ...
Bei BARRY BLACK handelt es sich keinesfalls um das geschickt getarnte Täuschungsmanöver eines gewichtigen Soul-Barden, sondern vielmehr um das musikalisch wie künstlerisch ambitionierte Freizeitprojekt Eric Bachmanns, der sich in einschlägigen Kreisen primär durch seine Hauptbrötchengeber ARCHERS OF LOAF einen Namen gemacht haben dürfte und jetzt auf \"Tragic Animal Stories\" bereits zum zweiten Mal mit grundverschiedenen Prinzipien hantiert. RESIDENTS meet RACHEL'S meet THE ELEPHANT MAN - so oder ähnlich könnte man das Klangbild dieses rein instrumentalen (!) Konzeptalbums umschreiben, dessen Thematik (tragische Tiergeschichten, wer hätte das gedacht?!) selbst oder vielleicht gerade aufgrund nicht vorhandenen Gesangs wunderbar lebendig und einfühlsam illustriert wird. Egal, ob es sich dabei um kammermusikalische Schwermut (\"When Sharks Smell Blood\"), skurrile Varieté-Einlagen (\"Iditarod Sled Dogs\") oder sphärische Tiefseeforschung (\"The Horrible Truth About Plankton\") handelt - David Lynch hätte seine helle Freude daran!
Zurück nach Louisville, dem Mekka der unbequemen Töne - hier entpuppt sich der RODAN-Bastard THE SHIPPING NEWS als vollwertiger Eintrag ins Familienstammbuch und \"Save Everything\" als Offenbarung in Sachen Präzision und Dynamik. Eine Spur straighter als JUNE OF 44, aber ansonsten von der gleichen \"Stop&Go\"-Rhythmik beseelt, zumal Sänger/Gitarrist Jeff Mueller emsig in beiden Bands werkelt. Während man sich auf obengenannten Alben in puncto Gesang vornehm zurückhält, darf hier schon mal nach Herzenslust losgebrüllt werden, und auch sonst lauert so manche Überraschung unter der unablässig brodelnden Oberfläche. Der Teufel steckt halt immer noch im Detail, SLINT sei Dank ...!



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