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»Wirvien«
[Touch / Semaphore]
Text: Autor unbekannt
Künstler gegen Kultur. Was widersinnig erscheinen will, ist es nicht mehr, wenn es um Ausprägung von Kultur geht, wie sie in diesen Zeiten akzeptiert erlebt werden muß - als beliebige Attraktion im Themenpark \"Konsum\", kaum mehr als eine Tiefkühlpizza, kaum weniger als ein deformiertes, schnatterndes Informations-Babylon, mit Hilfe dessen vor allem Sorge dafür getragen wird, den Adressaten mit all dem zu versorgen, was ihm vorher zu benötigen suggeriert wurde. Bewußtsein und Emotionen sind pervertiert, Thematiken zwischen tragischem Klatsch (TV-Zitat zum Unfalltod von Lady Di, einer Frau, die als Mensch kaum jemandem bekannt war: \"Die Welt trauert!\"), Hochwasser am Oderbruch, Hi-Tech-Kriegsberichterstattung (Golfkrieg) und tatsächlichen Nachkriegszuständen in Bosnien werden beherzt zusammengeführt, sind fett und oben.
WIR, die früher mal
WIRE hießen, haben sich seit ihrem '77er Debüt \"Pink Flag\" mit derlei kaputten sozio-politischen Kulturismen und den Möglichkeiten, sie künstlerisch, also musikalisch, zu grundieren/markieren, auseinandergesetzt und oft derart virtuos miteinander in Kommunikation versetzt, daß der jeweilige Text in sprachlicher Hinsicht nicht notwendigerweise verstanden werden mußte, damit nachvollzogen werden konnte, worum es da wohl gehen mochte. \"The First Letter\" (definitiv nicht vom letzten regulären
WIR-Album gleichen Titels), Track 1 auf \"
WIRVIEN\", der nun wohl wirklich letzten, '93 in Wien auf Einladung des bzw. für den ORF aufgenommenen Veröffentlichung der Band, tut wieder solches, ausführlich und unmißverständlicher denn je: nachrichtenwirres Stimmengewirr, mit tiefer Frequenz hinterlegt, platzt nach fünf Minuten unvermittelt in einen einsilbig hämmernden, kalten Dance-Beat, um am Ende doch, ausweglos, wieder zu sich selbst zu finden. Track 2, \"Sexy And Rich (Janet)\", nomen est omen und auch nicht sehr tröstlich, ist eine Art Liebeslied (im Sinne von Lied über die Liebe), das sexuelle Attraktivität, Verführungskunst, Begehren gegen notorisch meßbare Größen wie Brustimplantat, Geld und Status schmerzhaft treffend als verloren erklärt. Das war's. Zwei Tracks in fünfundzwanzig Minuten, die schon beeindruckt hinterlassen können. Erschöpfend. Tee kochen.
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