BEWERTEN
 

FRED FRITH QUARTET

»Ayaya Moses«

[Ambiances Magnétiques / EFA / VÖ: 28.08.1997 ]

Text: Autor unbekannt

\"Die Möglichkeiten ausschöpfen\", meinte FRED FRITH noch 1995 zur Herangehensweise seines Quartetts. Eine elektrische Gitarre hat erweiterte Möglichkeiten, Klänge zu erzeugen, gleichzeitig aber auch die Ausrichtung, klassische Kompositionen auf ihr zu verwirklichen. Auf dem Weg vom Feedback zum rhythmischen Kurzschließen der Pickups, vom Spiel mit der Faust bis zum violinenähnlichen Spiel mit dem E-Bow, alle Tonalität kompositorisch zu binden, steht nun nach \"Quartets\" (RecRec, 1994) ein zweites Album mit Aufnahmen der Formation aus RENÉ LUSSIER, MARK STEWART, NICK DIDKOVSKY und FRED FRITH vor der Tür. Und es ist ein Monument geworden. Daß hier nur vier Gitarristen und ihre Verstärker vor den Mikrophonen standen, wirkt angesichts der Vielfalt an erzeugten Geräuschen einerseits, der feinsinnigen Aufbauten aus stehenden Harmonien andererseits, recht unglaublich.

Des weiteren funktioniert das Gespräch der einzelnen Ausführenden von Kompositionen eines jeden Mitgliedes tadellos, obendrein transportiert das Album die Spielfreude, die schon auf den Tourneen zur ersten Quartettplatte allerorten zu Begeisterungsstürmen hinzureißen wußte. Sei es die wechselhafte Diskussion in LUSSIERs \"Ayaya Moses\", das romantische Gesäusel in FRITHs \"Freedom Is Your Friend II\" oder die total verstörte Laberei \"The Why Me Suite\", um nur Schlaglichter des durchgängig spannenden Tonträgers zu nennen. Jeder Punkt der Landkarte, auf der sich vier Gitarren bewegen können, sollte erreicht werden, jede Persönlichkeit im Quartett scheint ihre musikalische Entsprechung gefunden zu haben. RENÉ LUSSIER, eine Art hyperaktiver Musikstudent, MARK STEWART, der Stile sezierende New York Entsprungene, NICK DIDKOVSKY, der äußerlich wie innerlich zur akademischen Verklärung Neigende - ob nun zum Spaß oder todernst -, und FRED FRITH, kosmopoliter Lebemann mit der beruhigenden Gewißheit, jetzt schon ein Teil Musikgeschichte zu sein, haben ein Album auf den Weg gebracht, das in einer an Experimenten armen Zeit hoffentlich große Kreise ziehen sollte. Dabei versucht hier niemand die Quadratur des Kreises, nirgends sollen die Grenzen des Instrumentes überschritten werden, um dort das letzte aus dem noch zuckenden Brett herauszuzerren. Das FRED FRITH QUARTET macht lediglich und gleichsam nebenbei mit wohligem Augenzwinkern klar, daß wir noch lange nicht alles gehört haben, was die elektrische Gitarre zu erzeugen in der Lage ist.



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