BEWERTEN
 

WHITE HASSEL

»National Chain«

[Matador / RTD]

Text: Autor unbekannt

Schmo-fi galore. In irgendeiner der tausend möglichen Welten sind sie vielleicht Superstars, reißen sich Scharen pickeliger Teens um Marcellus Halls verschwitztes Handtuch und sterben für einen Blick aus Dave Verenkas schlafverquollenen Augen. Das setzt aber voraus, daß sich die Bewohner ebenjener Welt mit Vorliebe solch mit Vorsatz vor die Wand gespieltes Zeug reinziehen, wie es WHITE HASSEL produzieren. Country-Fidelity, so verdammt low, daß es schon fast auf kein Büffelleder mehr geht. Lustig ist das auf jeden Fall 'ne Weile, und ich habe selten jemanden so schräg Mundharmonika spielen hören, auf Dauer ist es dann aber genug des Witzes.
Absolut unverzichtbar dagegen ist \"Spoke\" von CALEXICO.

Hinter diesem Namen verbergen sich die beiden GIANT SAND-Musiker Joey Burns und John Coverntino sowie Tasha Bundy. Etwas verspätet erscheint deren Debüt jetzt auch auf CD, nachdem das Vinyl bereits seit Ende '96 auf Wolfgang Petters feinem Weilheimer \"Hausmusik\"-Label erhältlich ist. Wer diesen Songs auch nur ein paar Minuten gelauscht hat, fragt sich wirklich, warum andere Leute trotz riesigen Aufwands nicht dieses intensive Gefühl von Größe und angenehmer Melancholie hinkriegen wie diese Herren in ihren Variationen alten Volkliedgutes. Neben den von GIANT SAND bekannten Countryroots darf hier auch mal die Zigeunergeige zur Mazurka aufspielen (mit der Prager U-Bahn-Ansage als Intro, ganz groß ...). Neunzehnmal scheppernde Akustikklampfen, Schuhkarton-Schlagzeug, Waschbrett und eben so alles, was dazugehört.
Der ungekrönte König des Herzzerreißens ist aber seit Jahren John Darnell. Als THE MOUNTAIN GOATS hat er wohl die zäheste Fangemeinde der Welt, und das liegt daran, daß dieser Mensch alleine mit seiner Gitarre und den grundlegendsten Akkordfolgen mit jedem Song die Absolution erteilen kann. Niemand sonst beherrscht es wie er, Sätze wie \"If there's one thing I love, it's the weather this year\" so auszusprechen, als hinge das eigene Leben davon ab, und wahrscheinlich tut es das bei ihm sogar. \"Full Force Galesburg\" enthält sechzehn Songs aus den letzten beiden Jahren, die unter anderem zusammen mit ALASTAIR GALBRAITH in Neuseeland auf den Kassettenrecorder gebannt wurden. Muß nicht weiter angepriesen werden, ist für Fans sowieso Pflicht.



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aus Intro #48 (Oktober 1997)
 
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