DEREK TAYLOR
»As Time Goes By - Living In The Sixties«
[Popular Culture, Ink., ISBN 1-56075-007-3, 231 S., ca. $35,-]
Text: Autor unbekannt
Das Lieblingsbuch von ... Bernd Hartwich (Merricks) Immer wieder entdecke ich auf Platten, die ich so gerne höre, den Namen Derek Taylor unter den Sleeve Notes, die ich so gerne lese. Auf dem Innencover von HARRY NILSSONs \"Duit On Mon Dei\" (1975) schließlich fand ich den einsamen Satz \"If you enjoyed this album buy Derek Taylor's new book As Time Goes By.\" In der Buchhandlung wandte ich mich vorsichtshalber an den Verkäufer mit Violinschlüssel und Noten auf der Krawatte. Als würde ihm täglich obenerwähntes Album unter die Nase gehalten, sagte er fast ein wenig zu undramatisch, daß das Buch gerade neu aufgelegt worden sei. Mein Leben war gerettet, und seither werde ich nicht mehr auf Partys eingeladen, weil ich nur noch von diesem Buch rede.
Derek Taylor ist nämlich ein außergewöhnlicher Erzähler, der das Glück hatte, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. In \"As Time Goes By\" berichtet der Engländer, wie er 1964 Presseagent der BEATLES wurde und diese bei ihrem ersten Amerikabesuch begleitete (Was tun, wenn eine außer sich geratene Furie von Bürgermeistersgattin darauf besteht, die noch schlafenden Fab Four auf der Stelle kennenzulernen?). Kein Wunder, daß ihn dieser Job verrückt machte, so daß Derek Taylor schon bald nach Hollywood ging, wo er als \"der Mann, der die BEATLES groß herausbrachte\", sehr gefragt war. Dort arbeitete er unter anderem für die BYRDS, MAE WEST, BEACH BOYS, DOORS und DANNY KAYE. In den knapp gehaltenen Kapiteln des Buches, die aus nicht chronologisch aneinandergereihten Essays bestehen, geben sich bekannte und unbekannte Gesichter des amerikanischen Poplebens der 60er gegenseitig Taylors Klinke in die Hand. Er reflektiert witzig-charmant über die Freuden und Ängste seiner Tätigkeit und spricht dabei ebenso zwangs- wie beiläufig die schillernden Facetten und Anekdoten des für ihn alltäglichen Pop-Business an, vom Kampf Los Angeles vs. San Francisco bei der Planung des Monterey Pop Festivals bis hin zur Stewardess, die fast in Ohnmacht fällt, weil sie GEORGE HARRISSON betreuen darf (welcher sich in New York erst beim Anblick der Krishna-Jünger richtig zu Hause fühlt).
1968 zurück in London und vom Californian Experience angenehm durchgerüttelt, schildert Taylor liebevoll den chaotischen Tagesablauf bei der inzwischen von den BEATLES gegründeten Firma \"Apple\". PAUL McCARTNEY und er nehmen uns auf einen im wahrsten Sinne bemerkenswerten Trip zu dem Dorf Harrolds mit, das vor allen anderen \"Hey Jude\" hören durfte. Doch auch in England ist nicht alles heile Welt. Machtkämpfe um Rechte und Geld prägen das Bild bei \"Apple\", das vielleicht einfach nur \"Apple\" sein wollte, und während ein fieser kanadischer Geschäftsmann darauf wartet, den BEATLES eine Idee verkaufen zu können, ein indischer Poet seinen eigenen Schreibtisch fordert, zwei amerikanische Miezen gerade mal Hallo sagen wollen und weitere Menschen ohne Bleibe vor der Tür stehen, klingelt das Telefon, um die Verhaftung JOHN LENNONs zu verkünden. Allen Klein erscheint auf der Bildfläche, die \"Apple\"-Familie wird gespalten, und dem Leser tun sich wirklich interessante Hinweise aus der Sicht Taylors auf, die zu mehr als einem Grund führen, warum die sympathischste und beste Band der Welt aufhören mußte zu existieren.
Aber nicht nur der BEATLES-Fan kommt bei \"As Time Goes By\" auf seine Kosten. Jeder, der schon immer wissen wollte, ob in den A&M-Büros gekifft wurde, ob NANCY SINATRA gerne Boxfilme sieht, warum CAPTAIN BEEFHEART sich die Haare schneiden mußte und weshalb man Kinder in den USA niemals Cola-Flaschen in die Einfahrt des Nachbarhauses werfen lassen sollte, wird dieses Buch mögen.
Ich ziehe es jeder Party vor.
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