BEWERTEN
 

ROGER ENO

»The Music Of Neglected English Composers«

[Resurgence / EFA]

Text: Autor unbekannt

Die besondere CD, in der Tat (hallo, Herr Schaffer!), an der ROGER ENO selbst nicht als Ausführender beteiligt ist, bei der er sich statt dessen auf die Position des musikalischen Leiters beschränkt. Wobei von Beschränkung nicht wirklich die Rede sein kann. ROGER, einmal per Zufall (den's ja nicht gibt) in Gestalt eines probenden Kirchenorganisten und damit für immer für musikalische Stiefkinder seiner englischen Heimat entflammt, wurde zum faszinierten Sammler und Kenner, der sucht und ersteht, wessen er habhaft werden kann, meist in geschriebener, manchmal in Form von alten 78UPM-Schallplatten, und hat ein Kammerensemble zusammengestellt, das diesem fast Vergessenen zu Gehör verhilft.

Lobenswert indeed, und welche stilistische Vielfalt! MAHLERs und STRAVINSKYs Freigeist (wie Freigeist überhaupt), verhüllte MOZARTheiten, sanft an MICHAEL NYMAN und den Urvater der Minimalisten, ERIK SATIE, Gemahnendes und von soviel Eigenständigkeit, Elan, Esprit, daß man sich fragen muß, warum denn die vernachlässigt wurden und nicht andere, deren Namen man jetzt (wie oben geschehen) zur beschreibenden Orientierung nennt!? Die eine oder andere der unterhaltsamen Kurzbiographien mag da Aufschluß geben, das fast romanhafte Schicksal von CLARE BRAND (*1960) etwa, die offenkundig wunderbare Kompositionen schuf, den manisch-depressiven Räumauf der sinngeplagten Künstlerseele bekam, ihr Gesamtwerk zerstörte und heute in Irland Körbe flicht und Krabben fischt. Ganz schön skurril auch die Karriere der ELLISHAW BLAKEHOPE (1889-1946), einer singenden Pastorentochter, die zur komponierenden Nackttänzerin mutierte, und so klingt's dann auch - mondän, witzig, aber niemals lächerlich. Faszinierend überdies, wie hier auch manche ältere der zwischen 1612 und 1995 entstandenen Tonsetzungen so überraschend gegenwärtig kommt, als wäre sie erst vor vierzehn Tagen entstanden. \"Heavenly Sarum\" z. B. von WILLINGTON CROOK (1870-1945) klingt, wenngleich hier Streicher vom Blatt spielen, wie eine im Tonstudio generierte Unwirklichkeit aus spätromantischer Kirchenmusik und Ambient-Loops aus der \"Discreet Music\"-Phase des großen ENO-Bruders BRIAN. Füllhorn, das.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
ROGER ENO
Alle Artikel von Autor unbekannt
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]