BEWERTEN
 

SCHORSCH KAMERUN

»Now: Sex Image«

[L'Age D'Or / RTD / VÖ: 02.08.1999 ]

Text: Autor unbekannt

SCHORSCH KAMERUNs zweite Soloplatte. Der Sänger der GOLDENEN ZITRONEN am Synthesizer, Sampler, mit Rhythm-Programming, den zig Störgeräuschen und Gesang natürlich. Verzerrt, natürlich. Nicht vollkommen unmelodiös. Und mit Gästen: Bernadette Hengst, Albert Oehlen, Mense Reents u. a.
Vielfach sind die Hinweise, daß man es hier mit KUNST zu tun habe. (Plattenfirmen-Info; die aus supersauberem Cover und zumeist Punkattitüdenelektromusik hervorgehende, inszenierte Widersprüchlichkeit; der unheimlich abstrakte und komplizierte Info-Text von SCHORSCH KAMERUN selbst ...) KUNST also.
Keine Kunst ohne Programm.

KAMERUN respektive \"Der Schorsch von Persien\", wie er sich auf dem Backcover bezeichnet, nennt seine Kunst \"New Stream\". Die Erklärung dazu liest sich so: \"Platinkatzen in Pein / Wir sind Schmerzkatzen / Es fusselt von allen Seiten / Leise spielen / Wir sind kreativ / Wir schöpfen mit unseren Tatzen ... Titankatzen auf Draht / Alle Höhen (und Tiefen) nach links / New Stream, wir sind intelligent / Katzenmusik; Soundsalat; der Sänger brennt ...\" Vor allem \"Soundsalat\" ist hier Programm, wie mir scheint. Der Rest an Text ist in diesem Stück, wie auch in allen übrigen, in denen Text vorkommt, so gut wie unverständlich. Und trotzdem erkennt man hier eine Strategie. KAMERUN hat an einigen entlegenen und irgendwie ja auch unbequemen Orten aufgenommen. Am Timmendorfer Strand etwa, im ICE, in der Berliner Galerie Berlin-Tokio ..., und auch sonst verfolgt er das Konzept \"Dekontextualisierung\". Verrückt, aber nicht genial wie FUNKI PORCINI etwa, bringt er zusammen, was nicht zusammen möchte. Alles, wie man begründet mit dem Stück \"Einverstanden\" meinen kann, um Gewohnheiten in Frage zu stellen. Alles. Vor allem Traditionen. So macht er nicht einmal vor der guten, HipHop-verwandten Chicago-House-Music halt und - ich finde, hier scheitert das Konzept am spektakulärsten - bringt mit \"Lugot\" eine wirklich blöde Chicago-House-Verarsche. Macht das Sinn? Mit viel gutem Willen könnte man sagen, hier spielt eben einer zugunsten eines so hehren Zieles wie \"Aufklärung\" mit Klischees und bringt Unpassendes zusammen, damit man merkt, was alles nicht stimmt, überall. Nur: das weiß man als HipHop-Hörer schon längst. Und besser. Denn \"Now: Sex Image\" hört sich vor allem bemüht, gekünstelt an - auch wenn es ein paar Stellen gibt, die richtig rollen, ja, die sexy sind.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Autor unbekannt
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Platten vor Gericht: Highlights

Platten vor Gericht: Highlights

Die wichtigsten Alben des Monats - und die härteste Jury der Welt. Jetzt mitmachen! [...mehr].

 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]