BEWERTEN
 

COLIN NEWMAN

»Bastard«

[swim / Indigo / VÖ: 29.07.1997 ]

Text: Autor unbekannt

\"Everything should be made as simple as possible, but no simpler!\", zitiert das Booklet zur CD den Einstein zum NEWMAN, der, nobel und nicht faul, einzulösen willens und in der Lage ist es denn die Möglichkeit. Ja. Die Zutaten nur vom besten, dafür dann nicht so viele, oder auch: Qualität statt Quantität, um vorgenanntem Inhalt zum vergeblichen Spott einen überfüllten Gemeinplatz nach dem anderen Formalismus zuzuschustern. Wer NEWMANs Bio-/Discographie kennt, weiß, daß hier ständig alles ist, was es immerfort wechselnd zu sein scheint. Zur Erinnerung: WIRE hieß die Band, deren kreativen Nukleus NEWMAN als Gitarrist und Sänger und Schreiber des meisten zur Hälfte bildete, die auf ihren ersten drei genialischen Alben aus den späten Siebzigern die musikalischen Kerninhalte von quasi allem in den eigenen Art-School-Background assimilierte, was damals an Punk, Pop, Wave, Wasauchimmer durch die Lüfte flog, sich trennte, ruhte und sich seit Mitte der Achtziger im Rahmen eines losen Projektes immer mal wieder den klanglich artifiziellen Quellen und der Erforschung ihrer möglichen Aussagekräfte bei Organisation widmet, indem sich ihrer bedient wird.


Vergleichbares geschieht auch auf COLIN NEWMANs neuer, in Zusammenarbeit mit Gattin MALKA SPIGEL (ex-MINIMAL COMPACT) entstandener Platte, seiner ersten nach neun Jahren. Falls jemand gewartet hat: es hat sich gelohnt. Wer allerdings auf eine WIRE-Platte ohne die anderen Jungs hofft, wird sich enttäuscht sehen. \"Bastard\" ist eine reine Instrumentalplatte, um, so NEWMAN, zu gewährleisten, daß tatsächlich die Musik selbst gehört wird und nicht zum bloßen Gesangshintergrund verkommt. Das Konzept funktioniert hervorragend. Niemals arrogant, aber selbstzufrieden selbstversunken, wie Musik nur sein kann (und nur Musik sein kann), verschnitten mit der Ahnung eines ganz und gar europäisch dezentuierten Humors, werden Formen in makelloser Bewegung in- und umeinander zu ihren eigenen Inhalten (siehe \"Slowfast - Falling Down The Stairs With A Drumkit\"!), scheinen Materie und Energie miteinander austauschbar, stürzt ein junger, suchender Elektro-Laborateur sich, wackeln sechste Sinne lächelnd mit leisem Hüftschwung durch die Behausung. Das Besondere ist, daß der Musiker selbst, wie oft in solcherlei Zusammenhang, hier mal nicht weitgehend in seinem Werk versinkt. Ganz im Gegenteil, meine Damen und Herren. NEWMANs Persönlichkeit ist ständig anwesend, scheint greifbar, hörbar auf eine Weise, die diesen abstrakten Ton- und Klangvernetzungen bei voller Exorbitanz songähnlichen, fast bodenständigen Charakter zu verleihen imstande scheint - gar Gesang assoziiert. Mysteriös? Mysteriös!
\"Interrupting the train of thought lines / from longitude to latitude\" (WIRE, \"Map Ref. 41°N 93°W\", 1979).



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