BEWERTEN
 

PACOU

»Symbolic Language«

[Tresor / EFA / VÖ: 04.07.1997 ]

Text: Autor unbekannt

Berlin ist und bleibt Hauptstadt, auch auf der zentralistischsten Technolandkarte Deutschlands. Als Schwertführer und Goliath zugleich profiliert sich dabei seit Jahren der \"Tresor\", sei es als Club, entstanden in den Ruinen einer im Umbruch befindlichen Großstadt, oder als Label. Inzwischen ist ja wohl auch klar, daß die Umstände, die einst zum \"Tresor\"-Sound führten, längst nicht mehr dieselben sind, aber ein Image verkauft sich immer noch am besten. Miese lebensfeindliche Verhältnisse bedürfen eines Widerstandes aus dem Untergrund. Partisanenkrieg für Leute, die ihre Militanz als Akt der Menschlichkeit rechtfertigen wollen. Dieser Hang zur sich selbst überholten Radikalität hat im Endeffekt ja auch die Neverending-Schießereien in der amerikanischen HipHop-Community zur Folge.

Anyway, resistance is cool, Mike Banks verhüllt sein Gesicht immer noch vor jeder Kamera (seine Kto.-Nr. hält er wohl nicht geheim), und auch in der Technoszene ist Amerika das Land der größten Ausstrahlung. \"Tresor\" führt dabei in Deutschland den Stellvertreterkrieg gegen die Arbeitslosigkeit u. v. a. D. Tristigkeit in Detroit.
Nach den letzten beiden \"Tresor\"-Compilations und dem SURGEON-Album featuren die Berliner nun wieder ein kleines Schlachtschiff. Brachial und kompromißlos hat der Ostberliner PACOU, seit '95 auch Resident im Club, sein Debüt-Album herausgebracht. Musik für eine Puristenszene, deren Sprachrohr vor zwei Monaten den marktwirtschaftlichen Gegebenheiten nicht mehr standhalten konnte, aber daraus auch neuen Ansporn gewinnen könnte: Wie lange gibt es noch Menschen, die unsere Musik wirklich für nötig erachten? Ein Balanceakt zwischen finanziellen Zwängen und der gezielten Abschottung gegenüber Gefühlstechnofetischisten, die \"nicht wissen, worum es wirklich geht.\" Insider-Musik halt, die, als ein Teilaspekt gesehen, sehr wichtig ist, leider aber selbst, bedingt durch intolerante Radikalität, die restlichen 99% für unwichtig hält. Verständnis hin, Politik her, love it or leave it.



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