BEWERTEN
 

THE TEA PARTY

»Transmission«

[Spin / EMI / VÖ: 13.06.2000 ]

Text: Autor unbekannt

Digitale Ästhetik erobert die Alhambra. Die Mythen der alten Weltkulturen verbinden sich mit der Neuzeit. Apollon, der Rationale, der Kühle, trifft sich mit Dionysos, dem Gott der Exzesse, der nur die unerbittliche Treue zum Gefühl kennt. Sie umkreisen einander im Tanz, lassen sich treiben von Musik, in der sich Rockgitarren, orientalische Rhythmen, leidenschaftlicher Gesang und elektronische Klänge begegnen. Ja, auch THE TEA PARTY haben die modernen Klangprozessoren entdeckt. Dabei dachte man, die drei Kanadier seien eine sichere Wette in der Frage, welche Rockband sich ganz bestimmt nicht dem trendigen Zug der Klangspielereien anschließe.

Zu urwüchsig, zu mystisch schien ihre Musik, zu sehr den Traditionen verbunden. Doch Sänger, Gitarrist und Produzent Jeff Martin sucht das Neue, das Unbekannte, die Herausforderung. Und mit der erstmaligen Möglichkeit, Songs nicht auf Tour, sondern in einer lang dauernden Studiophase schreiben zu können, ergab sich auf scheinbar natürliche Art das Experiment mit Industrialsounds und Drum'n'Bass-Rhythmen. Erstaunlich ist dabei, daß sich die digitalen Tools und Sounds vollkommen harmonisch in das Bild einfügen, an dem die drei seit sieben Jahren arbeiten. Noch immer beeindrucken sie durch die mystische Tiefe ihrer Songs, die Martin mit beseeltem Gesang dominiert. Wer ihnen Böses will, kann der Band natürlich immer noch Hippietum und Old-fashionedness vorwerfen. Doch gute Songs überzeugen durch ihre künstlerische Reife und durch die Stimmung, die sie transportieren. Und was das angeht, sind THE TEA PARTY schlichtweg zeitlos.



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