BEWERTEN
 

DAVID THOMAS

»Monster - The Complete Albums From 1981 To 1987«

[Cooking Vinyl / Indigo]

Text: Autor unbekannt

Ein Mann von Welt, DAVID THOMAS. Einer Welt allerdings, so mag man denken, die so ganz die seine nicht ist. Ein erdgeborener Alien, ein Skeptiker, der Zugang, Einsicht und Nähe durch gebührend Abstand erreicht, dessen kreative Saat in lokalen und kleinsten Zusammenhängen aufgeht, statt auf dem globalen Allgemeinplatz unterzugehen, über dessen Zustand er ebendrum auf stets so bewegende Weise zu berichten weiß. Hier wird gelebt, gelitten, gefallen und gefallen, kredenzt, gekreuzigt und Gastfreundschaft geschlossen. THE WOODEN BIRDS, THE PEDESTRIANS, THE EGGS, THE TREES hießen die Ensembles, Philip Moxham, Anton Fier, Chris Cutler, Daved Hild, Tony Maimone einige der Musiker, mit denen DAVID THOMAS in den Achtzigern fünf Alben aufnahm, die hier kompakt auf vier von fünf CDs in ebenso behutsam wie beherzt verbesserten klanglichen Konditionen vorliegen.

Sehr gute Arbeit. \"Variations On A Theme\" z. B., die zweite von zwei Platten, denen Gitarrist RICHARD THOMPSON als praktisch gleichwertige Stimme neben THOMAS' eigener seinen Stempel aufdrückt, ist nicht nur im Hinblick auf Sound an Brillanz und Transparenz mit der LP-Version kaum noch zu vergleichen; wohingegen ihr Vorgänger, \"The Sound Of The Sand\", seinerzeit auf Vinyl wegen exzellenter Preßqualität und 45 Umdrehungen allenfalls meßbar schlechter klang. Keinesfalls unerwähnt bleiben dürfen zum einen, als THOMAS' selbsterklärtes Opus Magnum, das fulminant-spartanische, vor inspirierter Kommunikation berstende \"Monster Walks The Winter Lake\" und zum anderen \"Blame The Messenger\", die, von ehemaligen PERE UBU-Mitgliedern eingespielt, auch so klangen, was die tatsächliche Revitalisierung der Band ein Jahr später nach sich zog. \"Meadville\" schließlich, die fünfte CD, ist eine bisher unveröffentlichte 74minütige '96er Live-Aufnahme mit den TWO PALE BOYS, die den großen amerikanischen Erzähler THOMAS als wirklichen Stilisten im eigenen Werk und Schaffen zeigt; als jemanden also, der sich nicht notwendigerweise selbst kopiert, wenn er sich wiederholt. Was die drei per Stimme, Akkordeon, einer Midi-Gitarre, mit der sich allerlei Sounds antriggern lassen, und einem \"trumpet machine thing\" (THOMAS: \"Don't worry. You're not being cheated. Guaranteed live, in the moment, generated by actual, though pale, human beings.\") erstehen und durchsickern lassen, anrichten, weiterreichen oder auflösen, läßt vieles, was sich gern selbst innovativ und aufregend nennt, spontan als lustfeindliche, postpotente Augenwischerei von Nacht und Nebel verschlucken. Gnädig. Nachhaltig unverständlich bleibt mir das Fehlen ausgerechnet einer Textbeilage. Auch wenn DAVIDs Abneigung gegen das Abdrucken seiner Songtexte mehr oder weniger bekannt ist, kommt mir seine \"We don't print lyrics!\"-Haltung doch reichlich halsstarrig und knorke prätentiös vor. Führt man sich die von THOMAS selbst im Stil seiner brüchig-illustrativen, lakonischen und gleichzeitig sinnlich erfahrbaren Songtexte verfaßten Linernotes zu Gemüte (sehr feine Fotos auch), macht sich der Einwohner hiesiger sprachlicher Breitengrade ein Bild davon, was ihm womöglich alles durch die Lappen geht. Das Fehlen der sechsten Platte aus dieser Zeit, \"Winter Comes Home\" (1983 per Kunstkopf-Technologie live in Bayern aufgenommen und nicht unbedingt THOMAS' liebste), erklärt er kurzerhand mit ihrer Nicht-Existenz und schafft so die Möglichkeit, die Box weiterhin als komplett deklarieren zu können - was nicht ist, kann auch nicht fehlen: \"Those who aim to claim copies are troublemakers. Report them to the Grocery Police.\" Spaßvogel.



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aus Intro #47 (September 1997)
 
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