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STATION 17

»Scheibe«

[What's so funny about / Indigo / VÖ: 05.09.1997 ]

Text: Autor unbekannt

Die Umstände sind bekannt. STATION 17 ist nicht nur das Pseudonym der Band. STATION 17 ist auch der Mikrokosmos, in dem die Mitglieder dieser Gruppe leben. Diese Welt ist die Evangelische Stiftung Alsterdorf. Hier unterhalten etwa fünfzig \"Anstalter\" und \"Fehlerpfleger\" - geistig behinderte Menschen und Krankenpfleger - seit einigen Jahren das musikalische Projekt STATION 17. Mit \"Scheibe\" erscheint nun die dritte Veröffentlichung der Band. Die Aktion ist keine musikalische Therapie, kein Versuch, über den Verkauf einer CD im Stile eines wohltätigen Basars das Produkt gehandicapter Menschen feilzubieten.

Ambition ist die Erlangung eines eigenen künstlerischen Ausdrucks.
Das Zusammenkommen von Musik und Text besitzt eine individuelle Ästhetik. Der Sound, der nun noch geschmeidiger daherkommt als auf den früheren Alben, umrahmt ein sprachlich homogenes Gebilde. Dies kann bedeuten, daß nur ein stakkatohaft wiederholtes Satzfragment den Inhalt bestimmt (\"Und Ich\") - viele Musiker können sich nicht durch Worte oder Sprache verständlich machen -, es kann aber auch heißen, daß Brainstorming zum sprudelnden Assoziationsquell wird (\"1 Fach Denken\"). Unbekannte Denkweisen offenbaren sich. Vorlieben werden zitiert, Abneigungen karikiert (\"Herzilein\", \"Es Gibt Kein Bier Auf Hawaii\" oder \"Time To Say Vorbei\"). Wahrheit in manch entwaffnend einfacher Formel bestimmt das Wort. Die Faszination der Platte speist sich vor allem aus der schlafwandlerischen Sicherheit der Sänger/Sprecher zu wissen, was richtig und was falsch ist. Auch ihre Zweifel sind kein Fake. Insofern ähneln STATION 17 mit ihren Texten denen von Dirk von Lowtzow, der seit dem ersten Song von TOCOTRONIC das Bewußtsein von Authentizität und Wahrheit zu vermitteln wußte, dessen Worte keiner Infragestellung bedurften.
Die Komplexität von Musik und Text erreichen STATION 17 über den kreativen Prozeß, in dem viele Musiker die Instrumente nicht nach herkömmlichem Muster bedienen, sondern nach Gefühl und Möglichkeit. Ergebnis dieses Approaches ist Spiel mit den Extremen. Organisator Kay Boysen nennt es das Spiel mit \"Stimmungen und Verstimmungen\". Es sind die Elemente, die gute Musik zu dem machen, was sie ist: der Balanceakt zwischen Melancholie und Fröhlichkeit, zwischen der Anregung zum Nachdenken und der humorvollen Unterhaltung. All dies ist auch Teil der Eigenwelt \"Station 17\". Keine Freakshow oder Therapie, just good entertainment.



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