ALICE COLTRANE
»Journey In Satchidananda«
Text: Autor unbekannt
Wer an den umwälzenden Entwicklungen des Jazz in den 60er und 70er Jahren interessiert ist, kommt an den Produktionen des Kultlabels \"Impulse\" nicht vorbei. Hier standen die großen, mit unverwechselbarem Ausdruck ausgestatteten Innovatoren wie JOHN COLTRANE, PHAROAH SANDERS, McCOY TYNER, ARCHIE SHEPP und SONNY ROLLINS unter Vertrag. Sie verliehen der \"american black jazz society\" eine Identität, auf die sich noch Generationen von Musiker nach ihnen berufen haben und weiterhin beziehen. Der Genius unter den Saxophonisten, JOHN COLTRANE, avancierte mit seinen expressiven Manifesten zur Symbolfigur eines eigenständigen Weges der schwarzen Community.
Seine Frau ALICE COLTRANE führte als Pianistin und Harfenistin mit ihrer Formation den spirituellen Aspekt der Botschaft in Form einer orientalisch-indischen Friedenssprache konsequent weiter. \"Journey In Satchidananda\" aus dem Jahre 1970 dokumentiert eine Reise in die Tiefen karmischer Erkenntnis und Glückseligkeit mit einem ordentlichen Touch jazziger Inspiration. Dafür sorgen hier Charlie Haden, der von COLTRANE zuletzt favorisierte \"freie\" Drummer Rashied Ali und vor allem PHAROAH SANDERS am Sopransax.
Dieser begleitete COLTRANE in den letzten beiden Jahre auf seinen orgiastischen Höhenflügen in die Grenzbereiche menschenmöglicher Intensität. SANDERS diente ihm dabei als Katalysator zur Überwindung konventioneller Tonalität. SANDERS' 37minütige Power-Session \"Black Unity\" von 1971 entspricht mit rhythmisch abgedrehten Klangmodulationen dem \"pan-african root feeling\" der damaligen New Yorker Avantgarde. Von einem ungeheuer dichten Pulse des Rhythmus Quintetts - dem u. a. auch Stanley Clarke angehörte - getrieben, spielen sich die Reeds um SANDERS' Tenor, Hannibal Marvin Peterson (tp) und Carlos Garnett (sax), in einen freien Kollektivrausch, der sowohl in den geballten Energieentladungen als auch in den atmungserleichternden Ruhephasen mitreißende Wirkung entfaltet.
QUINCY JONES, heute einer der erfolgreichsten Musikproduzenten des Pop, stellte Ende der 50er Jahre die erste moderne amerikanische BigBand in der Alten Welt vor. Eine famose Truppe, die schillernde Namen wie Clark Terry, Thad Jones, Freddie Hubbard (tps), Phil Woods (sax) oder Curtis Fuller (tb) in ihren Reihen führte. Auf \"The Quintessence\" zeigt der Leader, daß er damals schon ein Händchen für perfekt ausgeschliffene Arrangements und Sounds besaß. Im Gegensatz zu seinen anderen Alben aus der Zeit, die mit einem wesentlich stärkeren Soul-Impetus ausgestattet sind, bringt diese Scheibe den Jazzer QUINCY JONES auf den Punkt.
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aus Intro #47 (September 1997)
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