BEWERTEN
 

TOM ROBINSON & JAKKO JAKSZYK

»Blood Brother«

[Castaway NORTHWEST / EFA]

Text: Autor unbekannt

\"2-4-6-8-Motorway\" scholl es Ende der Siebziger nicht nur aus Autoradios und tut es vermutlich immer noch aus vielen musikalischen Gedächtnissen, wenn der Name TOM ROBINSON fällt; mehr noch vielleicht bei der Schwulen-Hymne \"(Sing If You're) Glad To Be Gay\" aus der gleichen Zeit. Womit wir beim Kern der Sache wären. TOM ROBINSON ist schwuler Aktivist, ein zuversichtlicher und tatsächlich unbeugsamer, der seine Kunst in den Dienst der Sache stellt und kein Blatt vor den Mund nehmen muß, um den guten Ton zu wahren. Da hilft ihm schon mal der ideologische Gegner selbst, wenn ROBINSON dessen faschistische Tiraden für die Strophen von \"What Have I Ever Done To You?\" 1:1 aus der Revolver-Presse übernimmt - \"Let's get rid of these repulsive rats / ...

/ burning's too good for filth like that!\" -, um im Refrain ohne die geringste Süffisanz rhetorisch nachzufragen. ROBINSONs Sprache wurschtelt sich nicht durch zwanghaft-verschlüsselte Metaphorik, sie wird allein durch Klarheit zu Poesie: \"I grew up on the Gaza strip / a pirate and a clown\" (\"My Own Sweet Way\"), \"Somewhere in Jonestown / my childhood disappeared\" (\"Jonestown\") - Zeilen, die im übrigen darauf hinweisen, daß TOM nicht blind für den Rest in der Welt beim Schwulen-Thema verharrt. Er inszeniert private Schicksale zwischen Spaß und sozialem Mißstand aus dem subjektiven Blickwinkel des Geschichtenerzählers heraus und rührt an, ohne (auch im politischen Sinne) je beliebig zu sein oder den Humor zu verlieren - vielleicht ein britisches Phänomen; die Engländer, Ken Loach etwa oder Mike Leigh, machen auch solche Filme. Nun ist \"Blood Brother\" beileibe nicht bloß profundes Sozialgeplänkel mit halbmusikalischer Begleitung. ROBINSON hat im Lauf der Zeit mehr als genug musikalisches Talent und Persönlichkeit bewiesen, der altbewährten Mischung aus Rock, Pop, leichter Exotika und immer einer Handbreit britischer Muttererde stets aufs neue den guten Song abzutrotzen. Im übrigen ist da ja auch noch Mr. JAKSZYK, immer gerngesehener, inspirativer Sideman von Leuten wie PETER GABRIEL oder MICK KARN, nicht so sehr der große Gitarren-Virtuose als verständiger und verstehender Spieler, musikalischer Katalysator und auf \"Blood Brother\" Co-Autor der meisten Songs, sowie eine erfahrene, gute Band (Drummer Gavin Harrison, Bassist Colin Baldry, Gäste wie Sänger/-in Dan Hartman und Sam Brown, Perkussionist Pandit Dinesh). Eine Wiederveröffentlichung übrigens (Originaltitel: \"We Never Had It So Good\", 1990), und aktuell wie einst. Was man, bezogen auf den Inhalt, schon bedauerlich nennen muß.



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