CURTIS MAYFIELD
Love Peace Understanding
[Sequel / edel contraire]
05.09.1997, 04:48, Text: Autor unbekannt
Dieser Mann brauchte sich den Titel dieser 3-CD-Box nicht extra auf die Fahnen schreiben - hat sowieso jeder gemerkt. CURTIS MAYFIELDs historische Bedeutung für die heutige Musikszene ist kaum noch zu ermessen. Die Geschichte des HipHop, wie wir sie kennen, ist in Form und Inhalt ohne ihn kaum vorstellbar, wie man sich andererseits wiederum ein bißchen mehr Seele für dessen heutigen Zustand wünscht, hat man etwas MAYFIELD zu sich genommen - "Never Say Can't Survive", "Pusherman", "We People Who Are Darker Than Blue", "Move On Up" oder "Future Shock", in HERBIE HANCOCKs Version 1983 von dessen gleichnamigem Album ein moderner Klassiker, "Stare & Stare", das auf MC 900 FT.
JESUS' letztem Album eine Renaissance erfuhr. Beide Originale sind hier enthalten, letzteres als einer von mehreren bisher unveröffentlichten Live-Mitschnitten auf CD 1, die diese MAYFIELD-Anthologie als die besondere auszeichnet. Auf ihr befinden sich Aufnahmen, die CURTIS ca. 1970/71 in sparsamster Instrumentierung aufgenommen hat und hier erstmals (in für derlei Material überdurchschnittlicher Soundqualität) zu hören sind: Ur-Versionen späterer Klassiker wie "Power To The People" oder "Little Child, Running Wild" (damals noch "Ghetto Child") und deutlich reakzentuierte Versionen von Songs der IMPRESSIONS, denen MAYFIELD vor seiner Solo-Karriere über zehn Jahre angehörte. Diese Aufnahmen in ihrer schlichten Vollkommenheit zeigen MAYFIELD als den Songschreiber, der er immer in erster Linie war, daß dieser Meister subtil-inständiger Grooves seine zu Recht vielgepriesenen Talente als Arrangeur stets seinen Songs zur nachdrücklichen Verfeinerung in den Dienst stellte. MAYFIELD, wichtige Stimme des erwachenden bzw. erwachten kollektiven Selbstbewußtseins der Black Community in den Sechzigern und Siebzigern, die rhetorische Fragen stellte, dezidierte Statements und Zustandsbeschreibungen zwischen Liebe und Politik und der oft destruktiven Verflechtung beider abgab, konnte sein klares, insistierendes Falsett mühelos auch in den Dienst ganz anderer Inhalte stellen. "Woman's Got Soul", ein eleganter "Gassenhauer" zum Mitschnippen, bringt CURTIS' Präferenzen gegenüber dem weiblichen Geschlecht auf den Punkt, das lakonische Selbst-Verständnis von "I Loved And I Lost" ("... it happens to the best ...") spricht für sich selbst, und der Titeltrack des "Superfly"-Soundtracks, wahrscheinlich MAYFIELDs bekannteste Arbeit, geht als populärwissenschaftlicher Diskurs durch, wenn man das will. Und so weiter. Ein Gigant, dessen Werk eine Rückschau über die Länge von drei CDs mehr als rechtfertigt.Artikel kommentieren
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