BEWERTEN
 

BILL FRISELL

»Nashville«

[Nonesuch / East West / VÖ: 06.03.2000 ]

Text: Autor unbekannt

Seiner Liebe zum Folk, zur Beschaulichkeit erdverbundener Simplizismen des Country, hat Gitarrist BILL FRISELL (Ex-NAKED CITY, was an dieser Stelle jedoch zu falschen Erwartungen führen könnte!) schon mit \"This Land\" Rechnung getragen. Tief im Blues steckt er zudem mit seiner fast zwangsläufigen Ehrerbietung an Nashville, dem immer noch magischen Städtchen im Südosten der USA, das jeder Musiker einmal besucht haben muß, um den Boden wieder unter die Füße zu bekommen, sagt man ... FRISELLs Ergebnis der Arbeit hält sich so stark am Albumtitel fest, daß man jeden Moment DAVE DUDLEYs Gesangseinsatz erwartet. Statt dessen singt ROBIN HOLCOMB, sie selbst nicht unbedingt im Country zu Hause, dennoch fließt man ob ihrer Stimme nur so dahin.

Das Aufeinandertreffen des Wanderers zwischen Jazz, Folk und Avantgarde und in Nashville ansässiger Musiker kann getrost als diebische Freude bezeichnet werden. Nicht nur behält FRISELL stets seinen unvergleichlich weinenden Slide-Sound sowie die \"slightly strange undertones\" in jeder der 14 Kompositionen bei, die Verbeugung vor den an anderer Stelle sicherlich altbacken klingenden Klischees versprüht ebenso den unvergleichlich frischen Charme einer gutgelaunten Zusammenkunft Seelenverwandter. Gleichzeitig wird auf \"Nashville\" alle Säuseligkeit eines \"Johnny Walker\"-Werbespots vermieden, denn die Band steht über den Klischees, die sie da verbrät. Sie meint es ernst, wenn NEIL YOUNGs \"One Of These Days\" sein melancholisches Haupt erhebt, die Umgebung hält inne, wenn folkloristische Melodien wie in \"Mr. Memory\" zur Selbstvergessenheit herausfordern oder das niedliche \"Keep Your Eyes Open\" seinen schluchzenden Melodiebogen schlägt. In dem traditionsreichen Umfeld immer noch den Grundtenor des Jazz, also des improvisativen Moments, nicht aus den Augen zu verlieren ist wohl die überzeugendste Eigenschaft von \"Nashville\", das sich, erneut von Wayne Horvitz produziert, nahtlos in das ohnehin jedem ans Herz gelegte Schaffen BILL FRISELLs einreiht. Tip: \"Gimme A Holler\", \"Brother\", \"Pipe Down\".



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