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TIM ISFORT ORCHESTER

»Tim Isfort Orchester«

[Moll / EFA / VÖ: 29.08.1997 ]

Text: Autor unbekannt

Es gibt Alben, die hinterlassen ihren Hörer mit andächtiger Sprachlosigkeit. Eine geschlossene Form in Kombination mit einer dynamischen Intensität sind Merkmale, die diese Faszination auslösen. Im Zeitalter des Computer sind solche Platten selten geworden, denn die Vervielfältigung ist simpel geworden und das klangliche Recyclen zur Kunstform gewachsen. Musikalische Masse entsteht per Knopfdruck und nicht mehr über das sensible Ausklügeln opulenter Arrangements. Da bleibt das Gefühl auf der Strecke, und Sensibilität versickert in kitschigen Platitüden. TIM ISFORT ist ein letzter Handwerker. Der ausgebildete Kontrabassist weiß noch, was Partituren sind.

Ihn faszinieren klassische Arrangeure wie GIL EVANS oder HENRY MANCINI. Der Spirit der 60er und 70er Jahre mit ihren großen Orchestern ist für ihn zu einer Triebfeder geworden. Also begann er während seines Studiums, Stücke für die umfassenderen Besetzungen zu schreiben und mit Kommilitonen zu inszenieren. Ein Extrakt dieser Versuche wurde in den klanglichen Weiten einer Aula aufgenommen. Ergebnis ist nicht nur eine Reminiszenz an Soundtracks des \"Film noir\", die Rhythmik der Beatnikschreibe und das Cool-Jazz-Lebensgefühl, Ergebnis ist auch der zeitgemäße Ausdruck orchestraler Energie und unvergleichlicher Einfühlsamkeit. Um das Album nicht im Kontext großer Jazz-Klassiker zwischen JOHN COLTRANE und MILES DAVIS versinken zu sehen, förderte ISFORT-Intimus Tom Liwa von den FLOWERPORNOES eine Zusammenführung der Musik mit adäquaten Stimmen. Eine Synthese, die das Werk zur Vollendung führte. Trotz Absagen von u. a. VAN MORRISON hat ISFORT die eindrucksvollsten Organe deutscher Sprach- und Sangeskunst für seine Musik bekommen. BLIXA BARGELD, der sich wie gewohnt die Texte selbst auf den Leib schrieb, treibt mit dem nachdenklichen \"Es Fehlt Etwas\" die Schweißperlen in die Stirn. In dem Duett mit KATHARINA THALBACH, \"Die Ganze Zeit\", stellt der Sänger auch die Verbindung zur Theaterwelt her, und das Künstler-Stelldichein wird um ein weiteres Highlight ergänzt. Ein Freund von ISFORT, Christian Junk, etabliert sich an anderer Stelle als vortrefflicher Texter und Sänger. Liwa selbst - gesanglich vorab bestimmt ein Unsicherheitsfaktor, was die Geschlossenheit von Intensität betrifft - singt mit \"Als Sie Zwanzig Waren\" so gut wie nie zuvor. Seinen Höhepunkt erreicht das Werk mit den von Christian Brückner gesprochenen Texten \"Drei Teile Gold\" und \"Nachteulen\". Die deutsche Stimme von Robert de Niro macht deutlich, warum man ihn \"the voice\" nennt. Mit der wechselnden Dynamik, die nur ein exzellenter Schauspieler beherrscht, macht er die Nackenhaare abstehend. Von der lyrischen Energie der ihm in den Mund gelegten Worte kann die Plattenwelt ein paar Jahre überstehen. In seiner Gesamtheit gehört das Album des TIM ISFORT ORCHESTERs in die Kategorie \"Beste Platte der 90er\"!



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