BEWERTEN
 

Mick Harris, Eraldo Bernocchi

»Overloadlady«

[subrosa / Semaphore / VÖ: 27.02.1997 ]

Text: Autor unbekannt

Drum’n’Bass für den Tanzpalast. Der CD-Player ist bitte direkt an das ZNS zu pluggen, damit die Extremitäten so zucken wie die Beats. Ob die Verkabelung mit herkömmlichen Audio-Devices in diesem Fall so viel Sinn macht, darf getrost bezweifelt werden. Auf „Overloadlady' versteht man sich hervorragend auf die Programmierung supersmoother Bässe, schillernder Flächen und sonstiger atmosphärischer Soundscapes. Wer einmal in Birmingham war und dortige housings besichtigt hat, versteht die Notwendigkeit, sich auf solcherlei zu kaprizieren. Entsprechend großer Raum wird dann auch diesen Stilelementen eingeräumt: Lange Intros lassen nicht immer genug Platz, also wird im Stückverlauf gern noch mal darauf recurriert.

Va bene: ab und an taucht ein illustrierendes Sample der Marke „ganz witzig' auf, um die Aufmerksamkeit auf einem gewissen Level zu halten. Grundsätzlich weiß man sich jedoch im Zaum zu halten: Großartige Filtermodulationen gibt es nicht, mit resonance wird nicht rumgespielt, sondern einmal ein Wert eingestellt und gut ist. Irgendwann gönnt man sich einen beherzten Dreh am cutoff als Fade-Out-Ersatz, und das war es dann. Eigentlich ganz angenehm, das. Hätte man nur nicht die Beats fast ebenso spartanisch programmiert! Patterns sind zumeist zweitaktig und wechseln nach einem Durchlauf mit einem ähnlichen, aber soundmäßig anders gestalteten Zweitakter ab. Breaks? Variationen? Eher Fehlanzeige. Beat-displacements gibt es zwar dann und wann, jedoch sind sie zumeist wenig originell und sofort durchschaubar. Auch die Sounds werden eher konservativ behandelt und klingen manchmal gar so, als hätte man sie einem schlechten GM-Player entnommen und - wenn’s hochkommt - ein wenig verstimmt. Da hätte mehr kommen können. Hat vielleicht aber auch Methode: Bier trinken an der Theke ist da nicht drin! Mitmachen ist angesagt, und zwar auf der Tanzfläche. Geht die Zeit schneller rum ...



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aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
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