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»Hämmerklavier«
[Wergo 6611 / SMD / VÖ: 21.08.1996 ]
Text: Autor unbekannt
EGGERTs abendfüllender Klavierzyklus gleicht einem Entfesselungsakt. Im Laufe seiner zehn Miniaturen wird der Hörer vor den Altar der musikalischen Offenbarung geführt, mit der Frage, ob ein Musiker sich nicht letztlich allen kompositorischen Ballastes entledigen muß, ob er sich nicht gar auch von seinem Instrument emanzipieren muß, um zu einer wirklich freien Ausdrucksform zu finden. Der 1965 in Heidelberg geborene Komponist hat diesen Prozeß in einzelnen Stadien dokumentiert. Von den zaghaften Improvisationsversuchen im programmatischen „Ins Freie' über das Effekt-beladene Klangexperiment „One-Man Band' bis zu dem reinen Mundstück „Mouth Organ', das als spekulative Musik ganz ohne Klavier auskommt.
Hier hat das kontinuierliche Fortdriften des Musikers seinen Höhepunkt in der Wiederentdeckung archaischer Mechanismen erreicht. Musik, „die direkt vom Kopf in den Mund erfunden ist', wie EGGERT es beschreibt, jedoch einem Freilegen ursprünglichsten Ausdruckspotentials entspricht. Auch wenn der Musiker auf manifesten Strukturen westeuropäischer Musiktradition wie Präludium, Lied, Variation und Finale beharrt. Die feste Notation bedingt zwar einen notwendig-stützenden Rahmen für die zeitlich recht ausgedehnte Performance, doch stellt dieses Werk in seiner komplizierten Verrücktheit zugleich eine extrem subjektive Musik dar. Eine Musik, die Fragen stellt, karikiert und einen Musiker erfordert, der sich ebenso bedingungslos preisgeben wie über sich selbst lachen kann. „Der', so EGGERT, „sein pianistisches Können gleichsam ad absurdum führen muß ... Denn gerade an der Grenze zum Komischen, Kindischen und Lächerlichen findet für mich interessante Musik statt.'
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