BEWERTEN
 

Helmet, Pothead

»When I woke up this morning ...«

[28.05. - Bremen, Modernes]

Text: Autor unbekannt

Es ist schon ein Kreuz. Höchstens 400 Gäste waren ins „Modernes“ in Bremen gekommen, 400 zumeist Ältere, die nach zwei Jahren Liveabstinenz von deutschen Bühnen, Gitarristenwechsel und neuer Scheibe noch Interesse an HELMET hatten. Wahrscheinlich reicht der short attention span der jüngeren Generation nur noch für MILLENCOLIN-Stücke. Macht nichts, HELMET waren guter Dinge und starteten ein energisches Konzert mit dem programmatischen „It’s Easy To Get Bored“. Um die Leute in Schwung zu kriegen, verzichtete man für die ersten vier, fünf Stücke nicht nur auf Ansagen, sondern auch auf jegliche Pausen. Spätestens bei „Wilma’s Rainbow“, dem „Betty“-Hit, gab es dann auch schon kein Halten mehr, Page war irre laut, zersang gleich zu Beginn zwei Mikrophone und musterte zuweilen zufrieden den neuen (Ex-ORANGE 9MM-) Gitarristen Chris Traynor, der zwar optisch manchmal etwas verwirrte, seine Parts aber mit beeindruckender Lockerheit vom Stapel ließ und dafür das eine oder andere Lächeln von ganz rechts erhaschte.

Interessant zu beobachten, wie sehr die neuen Stücke live funktionieren - minimalistischer und gerade deshalb grooviger hat man HELMET wohl noch nie erlebt. Nach ungefähr 45 Minuten kündigte Page dann „some old stuff“ an. „Unsung“ und das Überstück „Meantime“ folgten und luden ein zu recht zahlreichem Zugabeverlangen, so daß sogar „Sinatra“ und „Impressionable“ aus seligen „Strap It On“-Zeiten Verwendung fanden, bevor „Just Another Victim“ alle Lichter ausblies. Grandios. Vorher hatten POTHEAD mit ihren betont ruhigen, blueslastigen Stücken das Publikum fast zum Ausrasten gebracht. Diese Musik ist eben genau das Richtige, wenn man beim Biertrinken nicht zu sehr gestört werden möchte. Ideal für Straßenfeste, ideal für etwas reifere Männer, die ihre flüchtige Bekanntschaft etwas besser kennenlernen wollen, ideal zum (sich) Unterhalten. Mein Vater würde sie mögen. Das muß als Beleidigung reichen und zeigt überdeutlich, daß POTHEAD an dieser Stelle für mich so überflüssig waren wie der Fuchs aus der Spee-Werbung. Im Verbund mit der Pausenmusik kostete mich das Erlebnis, HELMET mal wieder live sehen zu können, fast anderthalb Stunden voller Bluesrock. Aber was tut man nicht alles ...



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aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
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