BEWERTEN
 

Steve Hackett

»Midsummer Night's Dream«

[Scala / EMI / VÖ: 25.06.2001 ]

Text: Autor unbekannt

Um es nicht allzusehr auszuwalzen: nach unzähligen Solo-Alben ist der GENESIS-Gitarrist erster Stunde im lyrischen Nirvana angekommen. Als seriöser Endvierziger nahm HACKETT unter Flankierung durch das ROYAL PHILHARMONIC ORCHESTRA seine musikalische Umsetzung von William Shakespears 'Sommernachtstraum' auf, um uns mit einem 16 Tonnen-Gewicht Pathos zu erschlagen. Wer die verspielten und poetischen Gitarrenthemen aus den relevanten Schaffensphasen von GENESIS mochte, die Entwicklung des Gitarrenbarden im Laufe seiner eigenen Konzeptalben (z.B. 'Voyage Of The Acolyte', 1975), meist verwurzelt in Mythologie und Sagenwelt ('Oh, Ein Elf!'), verfolgen konnte, ohne zum esoterischen Lager überzuwechseln, dem wird dieses romantische, melancholische, geschmeidige, handwarme - habe ich was vergessen? - Album außerordentlich gut gefallen.

Andere Zuhörer werden mit einem meiner persönlichen Lieblingshaßsätze - 'Klingt wie Filmmusik' - ihr Unverständnis und ihren mangelnden Zugang zu der Interpretation der literarischen Monumentalvorlage zum Ausdruck bringen. Wohl jeder Progressivrocker träumt davon, im Laufe seiner Karriere den größtmöglichen musikalischen Partner, das Sinfonieorchester, an seiner Seite zu wissen. Was dabei herauskommt, ist allzuoft furchtbar, um nicht zu sagen grauenhaft, höre RICK WAKEMANs 'Journey To The Center Of The Earth'. Im Fall STEVE HACKETTs fällt das Ergebnis zum Glück sehr schöngeistig, nicht übertrieben, nicht überzeichnet, harmonisch und unaufdringlich aus. Dem Konzept des Mannes mit Konzertgitarre eilen Genossen an Kirchenorgel, Streichern und Bläsern zu Hilfe, mit romantischen Bilderbögen und herzzerreißenden Extensionen von HACKETTs Themen. Was übrig bleibt, ist jedoch leider nicht das einvernehmende Reifewerk, sondern lediglich ein weiteres unprätentiöses Solo-Album. Hintergrundmusik ist nicht unbedingt hintergründig, was hier leider recht deutlich wird. Schade, denn es wollte mehr werden. Es bleibt in jedem Raum pastellfarben, statt in kräftigen Farbtönen zu wirken. Eine schöne Tapete für die Wartezimmer dieser Welt.



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