BEWERTEN
 

Scott Johnson

»Rock Paper Scissors«

[Point / Philips / VÖ: 01.07.1997 ]

Text: Autor unbekannt

Ein amerikanischer Komponist mit fundierter Kenntnis moderner Hilfsinstrumente, sprich Computer. Das verspricht im Vorfeld eine recht sterile, kalte Angelegenheit zu werden. Falsch vermutet, denn JOHNSON versteht seine Musik wenigstens zur Hälfte als zeitgenössische Klassik, was den Gebrauch organischer Instrumente - sprich Streicher, Klavier und, eher unorthodoxerweise, elektrische Gitarre, vom Komponisten selbst gespielt - impliziert. Schaut da ein kleiner ZAPPA um die Ecke? Nun ja, in gewisser Weise ist diese amerikanische Ikone an SCOTT JOHNSON nicht spurlos vorübergegangen, genausogut kann man ihm aber die Zitate eines JOHN ADAMS oder die Kopie des 'DifferentTrains'-Verfahrens von STEVE REICH anlasten.

Mit der ersten Hälfte des Albums, 'Convertible Debts', nimmt JOHNSON gesamplete Stimmen als Grundlage für Melodiebögen, heftet musikalische Verwirrsequenzen an hektische Keyboardattacken, läßt Streichduette parallel anklingen, um sie im nächsten Moment unisono mit Gitarre und Synthie zu ergänzen, umzukehren, zu beruhigen, dann wieder zu zerfahren. 'Extremmelodik' ist vielleicht ein schönes Wort, um ein Grundmerkmal von JOHNSONs Musik zu beschreiben. Das betörende Harmonieempfinden des Komponisten macht seine Musik hörbar, seine komplexe Vorgehensweise ist immer spannend, nie vor den Kopf stoßend, aber ständig belebt. Dieses Leben findet seine schönsten Momente in der fünfteiligen Symphonie 'Rock Paper Scissors', deren Grundgedanke dem allseits bekannten 'Schere Stein Papier' folgt. Jedes Thema hat ein Gegenthema, jedem romantischen Moment folgt ein Eklat, jede musikalische Zelle hat ihren Gegenpart, jede traditionalistische Passage findet ihre kontemporäre Entsprechung. Auch der Gegensatz Technik/Mensch, der über die gesamte Länge des Albums eher wie eine frisch eingegangene Beziehung klingt, kann auf die Komposition angewendet werden. Dem unsteten 'Rock' steht fast kitschig eindeutig das zurückgenommene 'Paper' gegenüber, mit den 'Scissors' (erstaunlich überhaupt, mit welcher Leichtigkeit das Stück nach einer Schere klingt) zerfällt jeder Gedanke an Zusammengehörigkeit. JOHNSON ist direkt in seinen Aussagen, er will weder unverstanden bleiben, noch macht er uns zu statisch verstummenden Zuhörern, denn seine Musik greift über zu Pop und Jazz und wird somit hochgradig kommunikativ.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
Anzeige
 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.