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Beat Wyss

»die welt als t-shirt. zur ästhetik und geschichte der medien«

[DuMont Buchverlag, ISBN 3-7701-4020-6, 140 S., 23 s/w-Abbildungen, DM 29,90]

Text: Autor unbekannt

Dieses Buch ist nicht nur etwas für KunsthysterikerInnen mit Magister Artium - oder so ähnlich. Ob mit oder ohne Baumwollbekleidungsstück in T-Form, wir zappen uns entlang wichtiger Eckdaten kulturell-künstlerischer Leistungen, deren Ableger Pop schließlich die Berliner Mauer zu Fall brachte. Always Coca-Cola in einer „one size fits all“-Welt. Solche und ähnliche Überlegungen respektive Erwägungen - auf den berühmten Punkt gebracht - finden sich in diesem brillant formulierten, mit ironischen Spitzen gespickten Essay, in dem der Schweizer Beat Wyss 600 Jahre Mediengeschichte, ausgehend vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart, skizziert. Durch die kunsthistorische Hornbrille blickend, hinterfragt Wyss die Wechselwirkungen zwischen technischer Innovation und künstlerischer Produktion von Text und Bild, die unter anderem durch die moderne Computertechnologie - Stichwort Internet - einem inflationären Verschleiß ausgesetzt sind und das Medium Kunst beziehungsweise das Verhältnis zwischen Autor und Produktion neu definieren.

Die Problemstellung „das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ ist heute abgelöst durch das von Rechenmaschinen generierte System „Operation und Bild“, wobei der künstlerische Prozeß im digitalen Mahlstrom zu verschwinden droht und rational nicht mehr nachvollziehbar zu sein scheint. Kaum zu glauben, daß dies alles von Gutenberg und seiner Erfindung des mechanischen Druckstocks ausgelöst wurde. Gutenbergs Zeitgenossen hatten schnell begriffen, daß sich damit nicht nur erbauliches Schriftgut, vornehmlich aus der Heiligen Schrift, reproduzieren und verbreiten läßt; der Siegeszug des lästerlichen Kartenspiels, für Wyss eine Art Gameboy des 15. Jahrhunderts, war dank dieser Innovation nicht aufzuhalten, und in der Folge hatte der Bildungsbürger des 18. Jahrhunderts die Möglichkeit, sich an pornographischen Romanen von seinen geistigen Blähungen zu befreien. Das Aufkommen dieser Textsorte wurde von selbsternannten Moralhütern bekämpft wie weiland das Fernsehen in den fünfziger Jahren. Wie die unterschiedlichen Ausgangspunkte künstlerischer Avantgarden zusammenhängen (USA versus Europa) und warum letzlich alles zu Pop wird, läßt sich nach McLuhan unter dem Motto zusammenfassen: Die Botschaft des Mediums ist das Medium. Und eine weitere wichtige Frage scheint geklärt: Design bestimmt das Bewußtsein.



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aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
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