BEWERTEN
 

Philip K. Dick

»die drei stigmata des palmer eldritch«

[Aus dem Amerikanischen von Thomas Mohr, Haffmans Verlag, ISBN 3-251-30064-4, 295 S., DM 36,-]

Text: Autor unbekannt

Irgendwann in der Zukunft. Die Menschen bevölkern andere Planeten und unterziehen sich einer E-Therapie, die individuell den Evolutionsprozeß beschleunigt und Chitinpanzer wachsen läßt, die wir heute noch gar nicht benötigen. Aber nichts anderes wirkt mehr bei der sengenden Hitze, die zukünftig gnadenlos unbescholtene Fußgänger verbrennt.
Leo Bulero ist ein erfolgreicher Mann. Als Leiter der Firma P.P. Layouts verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Vertrieb der Droge Can-D. Doch die durch sie verursachten Rauschzustände sind auf die Dauer eher belanglos und helfen eigentlich nicht mehr gegen das Gefühl von Sinnlosigkeit, das sich allgemein ausbreitet.

Genau deshalb gelingt es Buleros Konkurrenten Palmer Eldritch, einem skrupellosen Cyborg (in dessen Körper drei mechanische Elemente integriert wurden), Bulero den Boden unter den Füßen wegzuziehen, indem er ein neues Halluzinogen - genannt Chew-Z - mit weitaus intensiverer Wirkung auf den Markt bringt. Das Besondere an dem neuen Stoff: Man kann sich über Wochen in einem Paralleluniversum aufhalten und hat bei der Rückkehr in die „Wirklichkeit“ doch nur eine Absenz von wenigen Minuten durchlebt. Damit scheint ein alter Traum von Unsterblichkeit wahr zu werden! Buleros Monopol gerät ins Wanken. Und bald ist er selbst nur noch ein Phantasma, ein Gefangener der (irrealen) Welten seines Widersachers. Auch Buleros Angestelltem Barney Mayerson ergeht es nicht viel besser: Sein Auftrag besteht darin, nach dem Genuß von Chew-Z gesundheitliche Nebenwirkungen vorzutäuschen und so den Ruf der Droge zu schädigen. Hieraus wird leider nichts, da der Trip selbst bereits in eine nicht enden wollende Nebenwirkung mündet. Mayerson schliddert von Bewußtseinsebene zu Bewußtseinsebene, Realitäten zerfließen, und schließlich entgrenzt Chew-Z auch noch Zeit und Raum. Aber dieses neue Universum gehorcht den Gesetzen seines Gottes Eldritch, und so will eigentlich keine rechte Freude an der neuen Droge aufkommen. Wird der Kampf gegen den inkarnierten Größenwahn dennoch gut ausgehen ...? Das Szenario fliegender Taxis und androidenähnlicher Figuren erinnert entfernt an den ebenfalls in den 60er Jahren von Dick verfaßten „Blade Runner“. „Die drei Stigmata des Palmer Eldritch“ hat darüber hinaus den - aus heutiger Sicht - trashigen Charme einer Utopie, die vor über 30 Jahren ersonnen wurde. Und obwohl es sich zweifelsohne um ein „schnelles“ Buch handelt, gilt es leider auch die eine oder andere müde Passage zu überwinden - was wohl auf die teilweise hölzerne und unbeholfene Übertragung ins Deutsche zurückzuführen ist. Kann man mal lesen - und das nicht nur als hingebungsvoller SF-Fan!



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aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
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