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Text: Autor unbekannt
HipHop
Im US-HipHop wird es wieder richtig spannend. Standen die 90er bislang ganz im Zeichen der Major-Label, ist man insbesondere in New York emsig dabei, sich eigene Strukturen aufzubauen. Independent boomt, wovon auch die neu eingerichtete Kolumne 'Independent’s Day' im SOURCE Zeugnis ablegt. So finden sich beim Stöbern im Fachgeschäft eine Vielzahl neuer Label, von denen einige im weiteren vorgestellt sein sollen. Die Gründe, Mainstream und Majors den Rücken zu kehren, erläutern SHOK THERAPY mit ihrem Stück 'S.O.S. (Same Old Shit)' auf „Mass Vinyl'. Musikalisch ist das Stück sehr ruhig und mit KRUSHschen Flöten wie einer SUZANNE VEGA-ähnlichen Summstimme ziemlich verführerisch.
Leicht schwungvoller ist das Titelstück 'Padlock' geraten, an dem auch Labelkumpel HI-TECH beteiligt ist (dessen schon erschienene Platte '24/7/Book Of Life' im März in dieser Rubrik besprochen wurde). Zieht man diese beiden Platten zu Rate, so ergibt sich ein eigentümlicher, minimalistischer, stets klarer und synthetischer Sound, der eine gewisse Nähe zu TripHop-Produktionen aus dem UK aufweist und sich mit „Mass Vinyl' nun wohl in New York verankert. 'I’m Talented ...' können mit Fug und Recht auch die MASTERMINDS aus Brooklyn von sich behaupten, welche spacige Sounds traditionell jazzigen Elementen hinzufügen. Das Titelstück ('I’m Talented') vermag dezent auf BLACK SHEEP oder KMD zu verweisen, während der rückwärts gedrehte Beat von 'Space And Time' ein wenig an PHARCYDEs 'Drop' erinnert, das damals von DA BEATMINERZ remixt wurde, aber auch wohl, weil diesmal ein PHARCYDE-Mitglied als MASTERMIND mitgeholfen hat. Die alten jazzy groovenden HipHop-Tage leben in 'We Come Here' von den BEATNUTS auf. Dazu gibt es auf weißem Vinyl einen etwas düsteren Remix von 'Hellraiser'. Daß mit ihnen in der Tat nicht so gut zu spaßen ist, sagt uns - entgegen dem lustigen Glockenloop - ihre offizielle LP-Vorabauskopplung 'Do You Believe' auf „Relativity'. Als das Ding fürs Clubparkett entpuppt sich die B-Seite 'Give Me Ass' dank eines äußerst effektiven Samples der Rare Groove-Ikone PATRICA RUSHEN. Auf diesen Brettern läuft schon seit geraumer Zeit REDMANs 'It’s Like That', zu dem sich aufgrund eines ähnlichen Breaks RASCOs 'The Unassisted' gesellen dürfte, das auf PEANUT BUTTER WOLFs Label „Stones Throw' (mit Sitz in San Mateo/California) erschienen ist. Sehr geschmeidig, vibelastig und wenig Bay Area-typisch, würde die B-Seite 'Hip Hop Essentials' jeder East-Coast-Produktion zur Ehre gereichen. Dort ist „Dolo Rec.' eine gute Adresse für halbseidenen Nachwuchs wie DUTCHMIN, deren 'Get Your Swerve On' einen ziemlich coolen funky Basslauf trägt und mit 'Surrounded (By Criminals)' Respect via Biggie Smalls zollt. Die Zeilen 'Hit me in the face - why don’t ‘cha' des gleichnamigen Stückes von MR. COMPLEX hingegen dürften keine Klatschaufforderung sein, sondern sich auf den bombastischen Beat von DJ SPINNA und PHARAOH MONCH von ORGANIZED CONFUSION beziehen. Weniger 'in your face' die A-Seite, 'Visualize'. Erschienen auf „Raw Shack Production', Brooklyn. Obwohl dieser Stadtteil zum wiederholten Male aufgetaucht ist, muß er hier ein letztes Mal für LESCHEA aus MASTA ACEs INC-Posse herhalten, zumal ihr mit ganz dezenten R&B-Tönen angesetztes, von NICK WIZ remixtes 'How We Stay' nun endlich offiziell auf der 'Fulton Str.'-Maxi erschienen ist und mit ein wenig Glück das heimliche B-Boy/B-Girl-Lieblingsstück werden könnte. Brooklyns finest sozusagen. TripHop
Im Mittelpunkt: Psychosen, Futur und schräge Musik. Großmeister aller drei Kategorien bleibt TRICKY, dessen 'Makes Me Wanna Die' (Mercury) im STEREO MC-Weekend Mix massiv (attack) like vibet. Nicht mein Ding ist A GUY CALLED GERALDs Bearbeitung von 'Piano', wohingegen das äußerst reduzierte Beatgerüst des Bonusstücks 'Here Comes The Alien' - in Kooperation mit ICE-Ts DJ AFRIKA IZLAM - TRICKY einen reichen Entfaltungsraum bereitet. Einen superfetten Beat (einer 60s Gruppe) hat J. LAVELLE mit seinem U.N.K.L.E-Projekt für das mit Electrosprengseln durchsetzte 'Berry Meditation' (MoWax 069) ausgegraben. An den Keyboards haut MONEY MARK in die Tasten, ATTICA BLUES steuern einen ausgezeichneten, angejungelten 'The Sweeter: The Luke Skywalker'-Mix bei. Wie BLACK SABBATHs 'War Pigs'-Bass in zeitgenössischer TripHop-Version klingt, zeigt ANDY VOTELs 'Hand Of Doom?' mit wunderschrägem Gesang von CLITIA JOHN ROSE auf „Grand Central'. Galeerentrommeln und verzerrte Synthiewände peitschen einem bei ECHO PARKs 'Razor Kiss Ep' auf „Lo Recordings' um die Ohren. Die logische Konsequenz: ein Remix von DOM & ROLAND. Einen Prominenten Drum’n’Bass-Vertreter, LEON MAR, in seinem abstrakteren ACRON 2-Gewand hat auch Riz Maslen a.k.a. NEOTROTOPIC auf ihre '15 Levels Of Magnification' angesetzt und gleichzeitig ihre eigenen Fähigkeiten um die Gunst der schnellen Breakbeats mit dem '15 Levels Of Dante Inferno'-Mix eindeutig bewiesen. Die B-Seite ist langsamer, TripHop-lastig und weniger spannend ausgefallen. Zu haben über „N-Tone', dem Sublabel von „Ninja Tune'. Labelmate FUNKI PORCINI hat sich auf „Sideburn Recordings' dreier Stücke der 60er Jazzlegende JERRY VON ROOYEN angenommen und frönt ungeniert seinen film noir-Vorlieben und dem ausgiebigen Gebrauch von Saxophon und staubigen Trompeten. Den Sure Shot präsentieren diesen Monat DAFT PUNK, mit 'Around The World' (Virgin) auf Maxi ausgekoppelt, definitiv BIG BEAT - das neue Wort für „Skint'-Veröffentlichungen wie BENTLEY RHTHME ACEs 'Midlander'-Theme, welches sich problemlos an DAFT PUNKs Universum koppeln ließe. Club-Crossover im Breitsoundformat, funktioniert garantiert. Drum’n’Bass
Große Ereignisse werfen ihre Schatten - „Moving Shadows'. Nicht nur, daß die nach dem Label benannte Jubiläums-Maxi Nr. 100 vom „Timless'-Dream Team GOLDIE und ROB PLAYFORD am 13. Mai endgültig erscheinen soll(te), für den Sommer ist zudem eine Londoner Compilation plus weltweiter Tour angekündigt. Da nun die Big Points anstehen, hat Rob Playford als Remixer RICK SMITH von UNDERWORLD engagiert. Dessen seichteren, komerziell technoid ausgerichteten 'Shadow'-Versionen (100R2) klingen so schlecht nicht und haben vor allem genug Chartpotential. Zur Sache gehen ANDY C. und ANT MILES a.k.a. ORIGIN UNKNOWN mit ihrem satten hard- bis tech-steppenden 'Distorted Dreams'-Remix für den „Shadow 100-Remix Pt. 1', dessen Y-Seite zu bestücken GROOVERIDER sich die Ehre gibt. In seiner 'Shadow'-Version sind die durchgängigen Vocals ebenso elementar wie der reduziert/vertrackte Beat und die signalisierend auftrumpfende Basströte. Gleichwohl in London die dunkelharte Liaison von Drum’n’Bass und technoiden Scie-Fi-Sounds angesagt ist, steht für „Moving Shadow'-Nr. 108 (oder 109) kein Geringerer als ED RUSH auf dem Programm, und auch E-Z ROLLERs 'Fever' (Moving Shadow 110) weist harte und konzentrierte Beats auf, während die B-Seite 'Synthesia' traditionell ebene Oberflächen mit Jazzsprengseln anfüllt. LiebhaberInnen der melodiöseren Drum’n’Bass-Seite sei zudem „Moving Shadow'-Nr. 107 von der East-Coast-Formation KUDOS ans Herz gelegt. Im (Zwischen-) Bereich der Verbindung von räumlichen Synthiesounds und äußerst klar strukturierten pulsierenden Beats sind INTENSE zur festen Größe gereift und haben nach hervorragenden Arbeiten für BUKEMs „Good Looking'- und FABIOs „Creative Source'-Label auf „Vibe’Z'-Nr. 108 (und vermutlich auch „Vibe’Z'-Nr. 109) ihr neues Material veröffentlicht. In einer ähnlichen musikalischen Kerbe tummeln sich auch UNDERCOVER AGENT, deren 'Hypnosis' und 'Warriors' auf „Juice 11' im Jump-up- bis Hard-step-Bereich crossen. Auf klar umrissenen Industrial-Pfaden hingegen schreiten JUICE, G-FORCE und MC. MANUS a.k.a. PROCEDURE 769 mit 'Lethal Dosage' (Reinforced 108) den von ihnen sowie von ACRON 2 und ALPHA OMEGA eingeschlagenen Weg unbeirrt fort. Reichlich brachial hat sich auch J. MAJIK den Frust über seine noch immer nicht erschienene LP 'Slow Motion' mit der Neubearbeitung seines Stückes 'Your Sound' auf dem „Metalheadz'-Ableger „Razor Edge' von der Seele remixt. Schade eigentlich.
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