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Honeywind

»Sonds From A Santal Village«

[Schott / Wergo]

Text: Autor unbekannt

Zwei sehr unterschiedliche Alben, die ihre Gemeinsamkeit in ihrem geographischen Bezugspunkt, Indien, haben. Bei HONEYWIND handelt es sich um einen Spaziergang durch ein Dorf in der indischen Provinz Santal Pragana. Das ländliche Miteinander der Dorfgemeinschaft, über Jahrhunderte gewachsen und nur langsam von der Zivilisation erfaßt, rückt durch die Tonaufnahmen aller möglichen Geräusche - die Hauptstraße, die Musik, Kochgeräusche, Kindergespräche oder der Dorfteich und -wald - in mein Zimmer und schafft tatsächlich die Atmosphäre des geschäftigen Treibens, verstärkt durch die Tatsache, daß die einzelnen Bausteine der Reise nicht narrativ sind, sprich verlaufen, sondern alles gleichzeitig geschieht, die Schauplätze die Musik unterlegen und umgekehrt.

Die einfachen musikalischen Passagen in Kombination mit sonstigen Geräuschen sollen das Verständnis der Santals für Klang an sich vermitteln, den sie in drei Kategorien unterteilen: sade (das Aneinanderschlagen von Gegenständen), rak (Tierlaute) und aran (menschliche Stimme, ror = Sprache, rar = Melodien). Jedem Klang kommt bei den Santals, die an Naturgeister, die bongas, glauben, eine spezifische Bedeutung zu, je nachdem, welches Tier ihn erzeugt, aus welcher Richtung er kommt etc. Diesem Verständnis folgend, wird HONEYWIND zu einem facettenreichen Hörspiel. Einen reichlich mystischen Hintergrund hat BILL LASWELLs Projekt 'City Of Light', bestehend aus COIL (John Balance, Peter Chritopherson), Lori Carson (Spoken Words), TRILOK GURTU (Tabla, Percussion)und anderen. Die insgesamt 45minütigen Outtakes wurden in Banaras, der heiligen Stadt Indiens, aufgenommen, die makabrerweise für nichts berühmter ist als für die Unmengen von Pilgern, die sie besuchen, um an den Ufern des Ganges zu sterben, ein Sterbebett, das als großer Segen angesehen wird. Hier also meditierten sich die unterschiedlichen Künstler hinein in die LASWELL-typischen Guidelines, auf daß sie das Zentrum finden würden. Erschaffen haben sie ein weiteres Grenzgängeralbum zwischen westlicher Sample-Kultur und fernöstlicher Sphäre. Die Sitar wabert, als Duft-CD würde 'City Of Light' nach Opium riechen, die Minimalismen toppen sich gegenseitig mit jeder weiteren Minute, keine Beats, keine tonale Vielfalt. Aber, aber, Bella, isch näme doch gar keine Droggen! 'Dawn Is The Sacred Hour.' Nicht unbedingt Avantgarde, aber beruhigend, daß LASWELL noch aus New York rauskommt.



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aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
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