Bill Drummond & Mark Manning
»bad wisdom«
[Penguin, ISBN 0-14-026118-4, 280 S., £ 6,99 / VÖ: 01.01.1990 ]
Text: Autor unbekannt
Bill Drummond, alter Held mit bewegter und großer Vergangenheit - soll ich hier noch mal die Größe von KLF preisen? -, sowie Mark Manning - als ZODIAC MINDWARP Mitte bis Ende der 80er beim Versuch zu beobachten, Bikerrock wieder zu etablieren - sind 1992 ausgezogen, um eine Ikone von ELVIS als Opfergabe zum Nordpol zu bringen. Dieses ist das Tagebuch dieser Reise. Erst mal. Gleichzeitig aber ist es ein Buch über ein Aufeinandertreffen von Pop und Rock, Wordsworth und Blake, von zwei Polen, die sich in der Figur von ELVIS vereint sehen. ELVIS, der, mit dem alles anfing, der ELVIS aber wiederum, dessen Platten man nicht besitzen muß, sondern der die Essenz des Pop bildet, die sich dann offenbart, wenn irgendwo in der Nähe ein ELVIS-Song im Radio läuft, wenn - wie auf der wundervollen 'Chill Out'-LP von KLF - zufällig 'In the Ghetto' von irgendwoher in die Welt hineinweht, der aber ebenfalls die Essenz des Rock, des rebellischen Mackertums bildet.
Und so reisen diese drei Könige (weise, wie sie sind, haben sie einen Dritten im Bunde) von London über Helsinki zum Nordpol, in der Erzählweise pendelnd zwischen den nüchterneren Betrachtungen Drummonds und Mannings Alptraumszenen. Vom Willen getrieben, den Pol zu erobern, das Opfer darzubringen, geht die Reise nach Norden. Der Schlachtruf 'To the Pole' und das Ausstrecken der Zenstöcke zum Himmel werden Ritual.
Die Mission wird abgeschlossen, auch, um auf die Suche nach dem legendären 'lost chord' zu gehen, dem Akkord, dessen Existenz ihnen von Keith Richards offenbart wird und der sich irgendwo in Lappland finden läßt. Und als in Pop oder auch Rock Verliebte müssen sie sich dieser Suche hingeben, müssen so versuchen, zum Herzen der Musik vorzudringen, die sie lieben. Und genau das ist es, was zumindest Drummond seit KLF (und die waren eine der größten Popbands aller Zeiten) spätestens auszeichnet: das Wissen um den Zustand der Popmusik (man lese hierzu 'The Manual' von KLF), gleichzeitig aber auch eine fast bedingungslose Liebe derselben, die sich eben in der Durchführung solcher Missionen, um Pop zu retten, zeigt. Diese Reise mußte gemacht werden, und es gab nur wenige, die dazu fähig waren.
Aber auch hiervon handelt dieses Buch: von einer Männlichkeit, die breit aufgetragen wird. Daß deshalb der Vorwurf des Sexismus schon gefallen ist, verwundert nicht. Die Entgegnung, man(n) sei sich hier offenbar durchaus bewußt darüber, diese Gedanken zu haben, und es sei einfacher, mit diesen anstatt mit einem latent unterschwelligen Sexismus umzugehen, könnte die falsche sein.
Daß bei der Hinterlegung des Opfers dann auch noch Winnie-the-Poohs Entdeckung des Nordpols adaptiert wird - und das ist immer noch mein Lieblingsbuch aller Zeiten -, läßt dann die wahre Größe des Buches vielleicht doch besser erahnen.
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