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»Summercamp«
[WEA / Maverick / VÖ: 11.09.2007 ]
Text: Autor unbekannt
Nein, eindeutig nein! In Amerika wird man nicht über den deswegen so genannten Sozialisationsagenten Fernseher sozialisiert. Wodurch dann, könntet Ihr an dieser Stelle fragen. Elternhaus? Sportverein? Freundeskreis? Nein, nein ... es ist das Sommerlager. In Amerika ist das Sommerlager keine dreiwöchige Caritas-Sommerfreizeit wie in unseren Breitengraden, sondern eine nachgespielte Mikroversion der Erwachsenenwelt, eine Zeit, die gewonnene Werte null und nichtig erscheinen läßt, die das Dasein neu definiert, die liebe, kleine Kinder zu blutsaugenden, rücksichtslosen Erwachsenen werden läßt. Das Sommerlager als die alles über den Haufen werfende Eruption.
Drei Beispiele: „Kleine Biester' behandelte in den 70ern das Thema „Mutwillige Defloration als Konkurrenzkampf im Sommerlager' mit einem begeisternden Staraufgebot. Kristy McNichol und Matt Dillon besaßen in diesem Teenagerfilm BRAVO-Starschnitt-Niveau. Die „Peanuts im Sommerlager' spielten genauso Baseball wie zu Hause, nur gewann Charlie Browns Team. Trotzdem überwiegt der Kummer bei diesem Zeichentrickhelden. Kummer über die zunehmende Konkurrenzsituation in der Zeltlagerwelt ... „Die Maske' ist ein Sozialkitschschocker mit CHER in der Rolle der Mutter des gesichtsentstellten Sohnes. Dieser trifft im Sommerlager die Liebe in Form eines blinden Mädchens, das er Farben fühlen läßt.
Auch „
Summercamp' vermag Blinde sehend zu machen. Denn blind wäre es, SUMMERCAMP mit NADA SURF oder gar WEEZER vergleichen zu wollen. Höchstens insofern, als daß auch die College-Kollegen aus dem Heimatland der hier Musizierenden glücklich werden können mit dem Gitarrengeschrammel auf der Platte. Doch „
Summercamp' bietet zusätzlich Gitarren, die den Soundtrack zu „Kleine Biester' bilden könnten. Pubertäres Posertum, Schweiß(breit)bandrock, 70er! Fast immer umhüllt oder eingeleitet vom für unsere Dekade ach so typischen Geschrammel. Geprägt von jugendlicher Aufgeregtheit, bedingt durch ein Forschen nach Horizonten und Grenzerfahrungen - siehe Szene des nächtlichen Treffens von M. Dillon mit K. McNichol in einem Schuppen, nichts stand mehr zwischen ihnen und der Erwachsenenwelt -, ist die Platte gleichfalls wie eine Fahrt mit dem Skateboard, wahlweise Bonanzarad, um den vertrauten Häuserblock der Nachbarschaft. Referenzszene hier: Linus und sein Schnuffeltuch. Es ist eine Welt, in der scheinbar kein Platz für Erwachsene ist, und doch führt sie in diese Richtung. Meine Empfehlung für diesen Sommer: jeden Tag mindestens einmal SUMMERCAMP hören. Gegen Ende des Sommers werdet Ihr neue, bessere Menschen sein!
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