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»Sound Of Love«
[Edel Contraire]
Text: Autor unbekannt
Der 63jährige Schlagzeuger trägt die Bewegung im Namen. In hohem Alter kein bißchen ruhig in der Ecke vor sich hin jazzend, stürmt PAUL MOTIAN gleich mit zwei Veröffentlichungen voller Charme und Esprit auf den Markt zurück. Im Rahmen der 'Artist Edition' des Labels „Winter&Winter' fällt er uns mit dem inzwischen 15 Jahre existierenden Trio (plus BILL FRISELL, git, und JOE LOVANO, sax) erneut ins Auge und Ohr. Der Mitschnitt aus dem Jahre 1995, noch zudem im New Yorker Traditionsclub Village Vanguard entstanden, nimmt uns mit auf eine wunderschöne Reise durch Standards wie MONKs 'Misterioso' (grandioser Opener), 'Epistrophy' oder MINGUS' 'Duke Ellington's Sound Of Love'.
Die Fusion aus skizzenhaftem wie melodiösem Schlagwerk, dem sanft lyrischen Ton LOVANOs und der schmachtenden Gitarre FRISELLs hat zu Recht derart lange Zeit Bestand gehabt, gehören diese Musiker doch fast zwangsläufig unter einen Hut, lassen allen Bandformalien zum Trotz kein Instrument vermissen und bewegen sich immer tief verbeugend in den Kompositionen, ohne sie frei zu zerreißen. Schön zu hören.
Etwas größer, weniger behäbig und wesentlich verjüngt kommt da schon MOTIANs zweite Band daher. Zwar wissen auch STEVE SWALLOW (bs), Chris Potter, Chriss Cheek (sax), Kurt Rosenwinkel und Brad Schoeppach (git), mit welcher Form von Respekt Themen wie MILES DAVIS' 'Milestones' zu behandeln sind. Dennoch lebt in der ELECTRIC BEBOP BAND eine andere Generation neben dem Dinosaurier des BILL EVANS TRIOs. Themen von historischem Wert mit der Puste von ausgesprochenen Mittzwanzigern, neuer Geist, teilweise sicher gewöhnungsbedürftig, fehlt doch die Ungeschliffenheit, die Emotion im Spielverlauf ob moderner, strenger Stildisziplinierung (da sitzt zu viel für meinen Geschmack). Trotzdem wirkt 'Flight Of The Blue Jay' keinesfalls steril, dafür holpert schließlich der quirlige Großvater (on purpose) aus dem Timing.
Die BEBOP BAND begrüßt uns auch auf der dritten Veröffentlichung der 'Artist Edition', einem Sampler zwischen (THELONIOUS) MONK und JOHANN SEBASTIAN BACH. Von PIAZOLLA über GUSTAV MAHLER bis FRANZ SCHUBERT wurden hier Kompositionen adaptiert, was das Zeug hält. Ein Who’s who aus URI CRAINE, DON BYRON, MARC DUCRET, PAUL MOTIAN, TIM BERNE, GARY THOMAS und ARTO LINDSAY, um nicht alle zu nennen, schafft die Grätsche zwischen Jazz, Barock und Romantik, ergänzt die klassischen Vorlagen durch ihre Eigenheiten. Das beste Beispiel liefern URI CRAINE und URLICHT mit der Neufassung von GUSTAV MAHLERs 'I Think They Have Merely Gone Out' aus dem Liederzyklus 'Kindertotenlieder', in deren Verlauf ein schwankender ARTO LINDSAY die Melodie herrlich falsch mitsummt. Im krassen Gegensatz hören wir in der Folge sehr strenge Interpretationen SCHUBERTs vom LA GAIA SCIENZA-Ensemble. Das, was vorher nicht zusammengehörte, ergibt sich hier auseinander und steht so als fantastisch funktionierende Compilation für jeden Fan dieser Rubrik demnächst ins Haus!
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