BEWERTEN
 

Warren Cucurullo

»Machine Language«

[imago / edel contraire / VÖ: 05.03.2001 ]

Text: Autor unbekannt

Die meisten derer, denen diese zwei Namen bekannt sind, lassen sich mit Sicherheit zur Anhängerschaft von FRANK ZAPPA zählen, in dessen Bands beide Gitarristen waren; WARREN 1979-81, MIKE 1987-88. Was natürlich seine Spuren hinterlassen hat, hier mehr, dort weniger. Es sei aber auch gleich klargestellt, daß beide ausreichend eigenes Format und künstlerisches Profil besitzen, um dem Einfluß des alten Meisters zu entkommen, wenn nötig, oder aber ihm standzuhalten, ohne als nachgereichte Blaupause zu enden. WARREN CUCURULLO, der sein Erstlingswerk 'Thanks To Frank' noch dem Meister widmete und mit dem Titelstück eine der gelungeneren, wissenderen Hommagen ablieferte, präsentiert mit 'Machine Language' eine Sammlung von neun „ambient guitar-solos', die er (bis auf zwei) bereits 1987 live im Studio eingespielt hat und die denn auch nichts mit den tuckernden, pluckernden Ambient-Varianten der unmittelbaren Gegenwart zu tun haben.

Feedback- und andere Schleifen, Hall, Soundwände und -fäden, einer von links, einer von rechts, und - Hach, guck' mal, da kommt ja noch einer! - Gespinste und Gewebe und ein Gitarrist, der mit derlei Netz-Werk ausgezeichnet umzugehen weiß. Wer also derartigem grundsätzlich positiv gegenübersteht, wird hier allerbest bedient. Ein ganz anderes Wiener Schnitzel ist dann MIKE KENEALLY (Insiderwitz, Schulligung!). Dessen leicht wahnwitzig anmutende Mischung aus der stilistischen Hinterlassenschaft von FZ und anderen, kaum weniger Gewichtigen wie z. B. GENTLE GIANT, XTC, HENDRIX, CPT.BEEFHEART, TODD RUNDGREN ist seine ganz eigene, eine Art Free-Pop unter Verwendung von pervertiertem Jazz-Rock, Art-Rock-Resten aus dem Eierschneider und einem ziemlich schräg ins Gebiß gesetzten Humor in Wort und Klang allerorten, der dieses überaus virtuose Jonglieren mit Melodien, Riffs und Metren gegen trockenen Krampf und seifiges Pathos in Schutz nimmt. Die erste CD von 'Half Alive ...' ist live im Studio aufgenommen, und zwar vom Leiter des Music Institute Hollywood und einigen seiner Studenten - ein Praktikum für die Studenten, wenn man so will, eine Werkschau für den lustvoll Staunenden und den, der KENEALLYs bisherige Platten kennt. Wer es nämlich bisher für z. B. spieltechnisch schlechterdings unmöglich hielt, derart komplexes Material zu dritt (!) live umzusetzen, ohne dabei prätentiös, blöde angeberisch oder dumm zu wirken, sieht sich von MIKE (Gitarre, Keyboards, Gesang) und seinen formidablen Mitspielern Toss Panos (Schlagzeug) und Bryan Beller (Baß) erfolgreich eines Besseren belehrt, wobei der ausgeprägte Mut zur Lücke (besonders schön auf der zweiten, live vor Publikum mitgeschnittenen CD) durchaus auch als deutlicher Schnitzer oder Totalschaden mit Vergnügen dokumentiert wird. Man kann hier auch von einer ORNETTE COLEMAN-Auffassung von Pop sprechen, ohne der Sache letztlich näherzukommen, aber das gelingt wohl ohnehin nur durch die Hörerfahrung selbst. Und gehört werden sollte und könnte Mr KENEALLY von deutlich mehr Menschen als bisher. Gilt natürlich auch für WARREN, aber der ist seit Mitte der Achtziger ja immerhin festes Mitglied von DURAN DURAN. Echt wahr.



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aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
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