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»The Eels & September '67«
[13.04.97 - Köln, Luxor]
Text: Autor unbekannt
Wahrlich nicht die beste Idee, das Konzert der EELS ins Luxor zu buchen, denn schon bei der letzten Tour war das größere E-Werk nicht eben leer. So hieß es also: Zusammenrücken. Den Opener machte das Duo SEPTEMBER ‘67 aus Athens/Georgia, das mit seiner ungewöhnlichen Besetzung E-Gitarre/Schlagzeug schnell das Publikum auf seiner Seite hatte. Auch die Songauswahl trug dazu bei, wurde das eher getragene Material des Debüt-Albums doch durch kraftvolle, poppige neue Tracks ergänzt (darunter einer über Steve Malkmus). Alles in allem haben Shannon und Kirsten mit ihrem interessanten Ansatz und einer ganzen Reihe hervorragender Songs eine lebendige Nische jenseits der Konventionen herkömmlicher Folk-Musik gefunden, nun darf man nur noch gespannt sein, was sich zukünftig aus dem selbstgewählten Credo „We need more Bossa Nova in our Lives“ entwickeln wird.
Nach einer kurzen Umbaupause betraten dann THE EELS die Bühne. Ganz in Schlips und Kragen, bot E. mit seinen Mannen eine Show, die alle Register moderner Rock-Unterhaltung zog und - ohne ins Lächerliche umzukippen - demonstrierte, was alles möglich ist. Mit dem STONES-Klassiker „Dead Flowers“ - der wie die folgenden Cover-Versionen von u. a. DANIEL JOHNSTON & PRINCE versöhnlich ins EELSsche Oeuvre integriert wurde - begann ein Feuerwerk musikalischer Ideen, welches so manchem Zuschauer die Freudentränen in die Augen trieb. Ohne sich wirklich um die Zukunft des Rock’n’Roll zu scheren - dafür nehmen sich die EELS nicht ernst genug -, zeigte das Trio mit geradezu prophetischer Sicherheit Wege und Möglichkeiten auf, den ausgefahrenen Pfaden der routinierten Live-Performance zu entrinnen. Das fing mit innovativen Einsätzen von Ukulele, Waldhorn, Telefon (!), Banjo („Let’s rock!“), Walkman sowie Theremin an und hörte bei den originellen Arrangements, die sich deutlich von denen der Platte unterschieden, noch nicht auf. Sogar ein waschechtes Schlagzeugsolo gab’s. Ganz verzichtet wurde dagegen auf den Einsatz von Samplern, was unterstrich, daß es sich bei den EELS um Vollblut-Musiker und keine Retorten-Theoretiker handelt. Jeder Hit mußte erkauft werden mit einem musikalischen Experiment, jede bekannte Phrasierung wurde mit ungewöhnlichen Accessoires konterkariert. So was nennt man musikalische Erziehungsarbeit. Hinzu kamen E.s knochentrockener, in Ansätzen auch anarchistischer Humor und die Bereitschaft, sich im Dienste der Musik auch mal zum Clown zu machen ... Das letzte Wort aber ließ man sich nie nehmen, ein Beispiel: Bereits 10 Minuten nach dem offiziellen Abpfiff betraten die Musiker erneut die Bühne, um inmitten der im Saallicht abbauenden Rowdies eine weitere Zugabe zu geben. Das sympathische Fazit des Abends - und das gilt sowohl für SEPTEMBER ‘67 wie auch für die EELS: Es bedarf weniger revolutionärer Entwicklungen als vielmehr geöffneter Augen, um Rockmusik auch in Zukunft interessant und innovativ zu gestalten.
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