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»Sukia«
[09.05. - London, Garage]
Text: Autor unbekannt
Für ein völlig unbeschriebenes Blatt, einen Act, dessen Debüt-Album in Europa bisher ausschließlich über Import-Kanäle erhältlich ist, war der Andrang vor der Bühne des Garage mehr als beachtlich. Bis zur Bar an der Rückwand des Clubs drängelte sich der Mob dicht an dicht. Der Ruf, der dem kalifornischen Quartett vorauseilte, ließ auf einiges hoffen und sollte bereits in den ersten Minuten des Konzertes bestätigt und sogar übertroffen werden. Maskiert mit überdimensionierten Cowboyhüten, Westernhemden mit Flammenapplikationen, Spiderman-Masken und Afroperücken, transportierten die vier aus Avocadocountry ein Flair zwischen VILLAGE PEOPLE und den SUPERSUCKERS, wie sie unter ständigem Instrumentenwechsel ihre Vintage-Elektronik-Müllhalde beackerten - anarchisches Musiktheater mit „Jugend forscht“-Feeling at its best.
Angereichert mit absurden Samples von LEONARD COHEN bis NIXON, untermalt bzw. hinterlegt von Super-8-Filmchen aus dem Biologieunterricht, wurden sämtliche Regler bis zum Anschlag aufgerissen und die Tastaturen bearbeitet, als ginge es vor allem darum, sämtliche Tasten so schnell wie möglich zu verklemmen. Was irgendwann gegen Mitte des Sets dann auch gelungen zu sein schien: technical breakdown. Dank des Flohmarkt-Equipments der Band kommt das mit schöner Regelmäßigkeit vor, wird aber aufgrund brutalst eingesetzter Entertainerqualitäten mit derselben Regelmäßigkeit zum Programmhöhepunkt ausgebaut.
SUKIA machen mit ihren überdreht minimalistischen Elektro-Salsa-Dope-Beat-Kompositionen deutlich, daß ihr Label „Mo Wax“ noch keinesfalls so eingefahren ist, wie man in den letzten Monaten gelegentlich vermutete, „verwandtschaftliche“ Verhältnisse bestehen unter den Labelmates zwar allerhöchstens zu „MONEY“ MARK, aber schon das läßt für die Zukunft auf einiges hoffen.
Für mich die schönste Erfahrung an diesem Konzert: Man kann elektronische Musik als Bauchmusik anlegen, SUKIA zumindest stehen der Rock’n’Roll- doch einiges näher als der DJ-Kultur. Außerdem führten mir die Kalifornier überdeutlich vor Ohren: „Übersteuert“ ist keinesfalls nur ein Wort, richtig umgesetzt kann es vielmehr zu einem echten Lebensgefühl werden.
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