Women in motion
»Luscious Jackson & Bis«
Text: Autor unbekannt
Das war doch mal eine funktionierende kinetische Massenpsychose, die an diesem Abend im Luxor die Tanzbeine in Bewegung versetzte. Im Gegensatz zu eher ernüchternden Erlebnissen dieser Art (APOLLO 44 z. B.) schafften es beide angetretenen Bands mühelos, das motorische Potential des Publikums zu aktivieren. Und das ganz ohne Ausverkauf an Stil, Songformat oder Integrität - und vor allen Dingen ohne Anbiederung an modische Trends.
BIS aus Schottland machten den Opener. Diesmal offiziell unterwegs - also mit Platte im Gepäck - machte das Trio (git, git, keyb & voc) dem ihm vorauseilenden Ruf als Live-Sensation alle Ehre. Sicherlich ist diese hypernervöse Power-Pop-Energy-Mixtur zu schrill und schräg, um dem Massenpublikum Halt zu geben, die angereisten Fans jedoch - übrigens nicht der typische Brit-Pop-Mob - gerieten schnell in Schwingungen.
LUSCIOUS JACKSON setzten dann an zu einem anderthalbstündigen Dauergroove. Da war nichts mehr zu spüren von den federnden, atmosphärischen DANIEL LANOIS-Beats. Unterstützt von einer Percussionistin und einem DJ, sorgten Kate Schellenbach & Co. dafür, daß die rhythmische Lokomotive der Band keinen Zwischenstop einlegte - und das wurde, was sicher auf die elegante Vielseitigkeit der Band zurückzuführen ist, weder eintönig noch langweilig. LJ dürften zu den ersten Bands gehören, denen man mit Recht das Etikett „Crossover“ nachsagen konnte, anders als andere Formationen dieser Art suchen sie ihr Heil aber nicht in der Kombination gegensätzlicher Stile, sondern in deren Emulation: Wenn LJ rocken, dann sind sie eine Rockband; wenn’s Pogo gibt - eine Punkband; wenn’s groovt - eine Funkband (Wobei sich besonders Gaby Glasser als ungemein vielseitige Rhythmus-Gitarristin entpuppt). Nur eines sind sie nach wie vor nicht - und da muß man sich manchmal wirklich fragen, ob gewisse Rezensenten nicht die eine oder andere Platte verwechseln -: eine Country-Band. Selbst die balladesken Tracks der letzten Platte (mit Jill an der akustischen Gitarre) gerieten live allerhöchstens zu schleppenden Disco-Tracks. Ansonsten ging’s mit allen Mitteln gut los. Darüber hinaus waren einige Stücke kaum wiederzuerkennen - „Deep Shag“ kam z. B. beinahe atonal daher.
All dies tat der Band sichtlich gut, die positive Energie übertrug sich aufs tobende Publikum („You guy really smell good“, meinte Jill zynisch), und das funktionierte von der ersten bis zur letzten Sekunde hervorragend. Wenn es LJ gelingt, diese Power auch auf Platte zu bannen, dann müßte die ein Riesending werden.
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