BEWERTEN
 

Barbara Heller

»Scharlachrote Buchstaben«

[Schott / Wergo / VÖ: 25.10.1996 ]

Text: Autor unbekannt

Die von Deborah Richards gespielten Klavierwerke der 1936 geborenen deutschen Komponistin haben mich überrascht. War ich unvoreingenommen, da unwissend, was die Musik von BARBARA HELLER betrifft, offenbarten sich mir in den Kompositionen, in den Auszügen, Fragmenten und 'Sketches' dieser Einspielung wunderbar impressionistische Momentaufnahmen, Umgebungsbeschreibungen und präzise erzeugte Atmosphären ohne den abschreckenden hektischen Grundton Neuer Musik. HELLER folgt nicht ungestümer Avantgarde, immer auf der Suche nach konzeptioneller Prinzipienuntreue, sondern erstellt alle Stücke (hier Kompositionen zwischen 1983 und 1991) nach Regeln, Vorgehensweisen, zwar von Stück zu Stück neu reguliert, aber niemals zusammenbrechend, kollabierend oder ein System negierend.

Strenge Kompositionskonzepte wie das 'Qintenbuch' werden hingegen nicht zum Korsett, das ruhiges Entgegenkommen verhindert. Frei schwebende, nachvollziehbare Strukturen machen das musikalische Tagebuch 'Currants - Johannisbeeren' zu einer Erlebnisreise durch unterschiedlichste Stimmungen, die die Komponistin im Verlauf des Sommers 1984 tonal festgehalten hat, mal ausschweifend melancholisch, mal kurz und bündig, Gefühle veräußernd oder reduzierend. Impressionistisches birgt gleichzeitig unzählige Assoziationen in sich: Der fast jazzige Grundton der Komposition 'Scharlachrote Buchstaben' ließ mich auf der Stelle fasziniert an COPLANDs Werk denken, während 'Un Poco' aus dem Jahre 1991 in seinen Umspielungen beinahe romantisch wirkt. Ein breit gefächerter Mikrokosmos also, in den ich sicherlich noch öfter eintauchen möchte.



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