BEWERTEN
 

Sometimes love is like a broken bass string

»Ben Folds Five«

[17.03. - Köln, Underground]

Text: Autor unbekannt

„I’ve got stool problems“, meinte BEN FOLDS zweideutig, während er an seinem wackligen Piano-Hocker herumschraubte. Und der vorlaute Bassist ergänzte, daß der Name BEN FOLDS FIVE daher rühre, daß Ben sich hinter seinem Piano immer 5fach falten müsse, um dahinterzupassen. Ja ja, arge Scherzkekse sind sie schon, die drei der FIVE.
An jenem Abend im - trotz des Konkurrenzkonzertes von NO DOUBT in der nahen Live Music Hall - gut gefüllten Underground kamen ihre knochentrockenen, teilweise surrealen Gags jedenfalls gut an. Das Publikum schien zunächst nur gekommen, um zu schauen, ob ein Flügel tatsächlich ins Underground passe.

Im folgenden wurde es jedoch schnell vom spröden Charme der Band in Beschlag genommen. Was dazu führte, daß sich der Club im Laufe der Veranstaltung zur Diskothek wandelte. Nun ist BEN FOLDS’ Musik ja trotz aller Unkenrufe kein „Piano-Punk“ - dafür sind seine seltsamen 60s-Commercial-Harmonien einfach zu konventionell (und seine überkomplexen Kompositionen zu stolprig) -, und den gitarrenlosen Rock hat er ja auch nicht erfunden, und doch - das mußte einem der Neid lassen - ging die Show ab wie eine Lokomotive.
Das lag zum einen sicher an den Mitgröl-Hits des neuen Albums (wie etwa „Song For The Dumped“), zum anderen aber auch an dem unbedingten Einsatzwillen der Musiker: BEN FOLDS bearbeitete sein Instrument mit Händen und Füßen und zappelte, was das Zeug hielt; auf dem - spieltechnisch - zeitweise zur Gitarre umfunktionierten Baß lagen mehr Special-Effects als auf der Enterprise; und die gnadenlos und dennoch komplex marschierenden Drums trugen dazu bei, daß es zu keiner Sekunde langweilig wurde. Auch dann nicht, als wegen einer gerissenen Baßseite eine ungewollte Pause auftrat. Diese überbrückte FOLDS mit einem Steptanz, einer spontanen Instrumentalversion von „Rosamunde“ sowie einem improvisierten neuen Song namens „Mike Passed His Exam“ - zu Ehren eines Crewmitgliedes mit frisch erworbenen diesbezüglichen Meriten -, dem auch das titelgebende Zitat entstammt. Und dann ging’s weiter - ziemlich laut und ruppig, unterbrochen nur von einer Ballade, die Ben zur Melodica vortrug.
Wenn der Rock’n’Roll an diesem Abend auch nicht neu erfunden wurde, BEN FOLDS FIVE boten dennoch eine höchst mitreißende, kurzweilige und witzige Show und wurden somit ihrem Ruf einer genialen Live-Band durchaus gerecht.



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aus Intro #44 (Mai 1997)
 
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