BEWERTEN
 

Depeche Mode

»Ultra«

[Mute / Intercord]

Text: Autor unbekannt

In einem Fernseh-Boulevard-Magazin sah ich letztens einen kommentierten Bericht zur nun erschienenen neuen DEPECHE MODE-CD. Daß, wie dort behauptet, Dave Gahan 'in seinen neuen Songs seine Drogenvergangenheit verarbeite', brachte mich schon ein wenig auf die Palme, zeugte diese Behauptung doch von eklatant beschissener Recherche. 'Ultra' stammt natürlich - wie jedes vorangegangene Album der Band - maßgeblich aus der Feder des stillen Blondlöckchens Martin L. Gore im Hintergrund, nicht von der explizit auf ihr Image achtenden Diva am Mikrofon. Schön persifliert wird die eigene Imagegeilheit natürlich im aktuellen Video zu 'It's No Good', einem reichlich old-schooligen Popsong, wie es eigentlich mehrere auf 'Ultra' gibt.

Man bemerkt sie sicherlich nicht sofort, denn sie klingen schon sehr modern, was die Drum&Bass-Fraktion der Band angeht. Nun aber mal etwas geordnet: 'Ultra' ist ein unerwartet imaginäres Album geworden, auf dem der inzwischen zum Trio geschrumpfte 'Exporteur britischen Elektropops' bemerkenswerterweise auf die plakativen Hits vergangener Untaten verzichtet. War zum Beispiel 'Enjoy The Silence' ein nettes Liedchen, knüpfte es inmitten von Durchschnittlichkeiten doch nie an die qualitativ hochwertigere Phase der 80er Jahre an. Nun winkt jedoch der Absturz aller PCs mit dem Datum 2000, und auch DEPECHE MODE sichern sich vor dem endgültigen Absturz einen Platz unter den Megabands, denen nach Überschreiten ihres Hit-Zenits noch ein Reifewerk gelang. Ruhig und bedacht entwickeln sich abgeschlossene Gänsehaut-Balladen wie das von Streichern dominierte 'Home' (mit dem Schlußstück 'Insight' ein absolutes Highlight der Platte!), erinnern Retorten-Drums und Sphären-Synthesizer an die Herkunft der Band in 'It's No Good', leiten 'The Bottom Line' samt Steel- und 'Freestate' mit Acoustic-Blues-Guitar in ganz untypische Richtungen, gleichzeitig jedoch das Gesicht durch Stimme und sonstiges Instrumentarium wahrend. Wer ruppige Stückchen wie die trashige Single 'Barrel Of A Gun' erwartet, wird sich mit dem einzigen lauteren 'Useless' begnügen müssen. Ansonsten kann man dem Album tatsächlich einen durchgängigen Dance-Charakter zusprechen, wurde doch peinlich genau an den Rhythmus-Patterns gestylt. Außerdem öffnen kleine, kaum auffallende Instrumentals wie der 'Uselink', 'Jazz Thieves' oder ein seltsamer Hidden-Track mit einem Mal ambientesk experimentelle Türen, lassen Martin Gore als einen der Urheber aller modernen Tanzmusik erscheinen, verschwinden jedoch schnell, zu schnell, um den Endprodukten dieser 'unnützen' Sessions mit dem Computer Platz zu machen. Eine interessante Entwicklung steht somit in den Startlöchern und macht vermeintlich alte Säcke wieder spannend. Eine Geschichte in meinem Lieblings-'Lustiges Taschenbuch' heißt 'Unverhofft kommt oft'. Schade ist nur, daß der 'Painkiller', ein fantastischer Instrumentalsong, nur auf einem Vorab-Tape erschienen ist. Wer weiß, wo der sonst gelandet ist, soll mich anrufen!



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