BEWERTEN
 

Belle & Sebastian

»If You're Feeling Sinister«

[Jeepster / Import / VÖ: 28.09.2005 ]

Text: Autor unbekannt

'Oh, what a wonderful choice!' und ein smartes Lächeln der einen, verdrehte Augen und Blick gen Decke der anderen Verkäuferin am Ladentisch waren erste Reaktionen, als ich das (in jenem Laden) letzte Exemplar dieser ausgestorben geglaubten Gattung erstand. 'Ooh! Get me away from here I'm dying / Play me a song to set me free / Nobody writes them like they used to / So it may as well be me' sind schon die richtungsweisenden ersten Zeilen der zweiten Seite dieses zweiten Albums des Septetts aus dem (siehe auch Tim Jürgens' Besprechung der PEARLFISHERS in Nr. 43) vergessenen Glasgow. Dabei befremden BELLE & SEBASTIAN zunächst einmal mit einer Produktion, die gemeinhin mit dem Attribut 'verstaubt' versehen würde, würde man so etwas heutzutage auch nur vereinzelt in die Hände bekommen.

Doch so und nicht anders sollte es sein bei einer Band, der offenbar herausragende Songwriter-Qualitäten innewohnen, und nicht Fehlendes demzufolge auch nicht verdeckt werden muß. Idem für das Sortiment an Instrumenten, aus dem sie sich neben der begleitenden Gitarre zwar reichhaltig (Piano und weitere Tasteninstrumente, Mundharmonika, Bläser, Streicher, Flöten, Geräusche von spielenden Kindern), aber auf sparsame Weise bedienen, gerade so, daß diese durchgehend luftige Instandhaltung kleine Nuancen setzt für Songs, die eine eigenartige Magie in den Raum werfen, der man sich nur schwer entziehen kann. Hier werden Melodien, Harmonien neu erfunden mit einem Enthusiasmus und einer Frische, daß der retrograde Ausdruck, dem man dem Ganzen vorhalten könnte, schlicht weggeblasen wird. Ob nun SIMON & GARFUNKEL, DONOVAN (nicht Jason), THE SMITHS, HOUSEMARTINS, die Referenzmöglichkeiten sind zahllos, und doch haben BELLE & SEBASTIAN hier ein Werk geschaffen, das viel mehr ist als bloße Kopie. Zwar bleibt die eine oder andere trübe Note eskapistischer Grundzüge aus philosophischen Betrachtungen, doch Ironie und Sarkasmus lugen durch alle Zeilen und bilden mit Dur und moll ein Wechselspiel, das nie in pure resignative Melancholie mündet. Und ein grundlegendes verlautbartes Problem, siehe oben, haben sie bereits selbst gelöst. Oder, wie Herr Bauer auf seine keinen Widerspruch duldende Weise vermelden würde: 'Ein Klassiker!'



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