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»Bloodcount Unwound«
[Screwgun / edel contraire / VÖ: 10.03.1997 ]
Text: Autor unbekannt
'These recordings were not produced!' - ein zwar umwerfend charmantes Statement aus den Linernotes, aber nicht wirklich ausreichend. Diese Musik ist nicht nur nicht produziert zu nennen, sie läßt in ihrer atemlosen wie -spendenden Unablässigkeit auch jeglichen Gedanken an den Entstehungsprozeß, den sie gleichzeitig darstellt, verschwinden: Sie ist! BLOODCOUNT, das Quartett des New Yorker Saxophonisten, Komponisten und Labelbetreibers TIM BERNE, setzt und hält auf diesem 3-CD-Set acht im vergangenen Jahr live aufgenommene Stücke (Spieldauer zwischen 13:06 und 41:19) in Bewegung, die in der Tat kochen vor Leben. Linearitäten sind weitgehend irrelevant, direkte körperliche Reaktionen wahrscheinlich.
Auf der Grundlage sich ständig auflösender und neu entstehender Strukturen gehen Komposition und Improvisation in kaum nachvollziehbarem Wechsel ohne erkennbares Vorgehensmuster einher und gerinnen dabei nicht selten zu erstaunlich dichten Einheiten - 'Blood Count' etwa funktioniert wie einer dieser unendlich sich wälzenden und türmenden Tonapparate der MELVINS, wenn die eine Jazzband wären. Die Band (und vor allem als solche funktioniert dieses Outfit) läßt den Schalk vom Nacken, dreht HardBop und Knitting Factory-Avantgarde gleichermaßen durch die Mühle, zitiert die alten Meister und das „Real Book' sekundenweise und schiebt den Blues auf die schiefe Bahn, um ihn schließlich vollends ins Universum nebenan zu stoßen ('Loose Ends'). Jim Black und Michael Formanek an Trommeln und Baß, stets auf dem Quivive, geben Gas und Orientierungshilfe, während BERNE und Chris Speed an Saxophonen und Klarinette sich und uns heftigst Kopf geben, die wirklich hingebungsvollsten Blow-Jobs seit Weißnichmehr und Weißichnoch. Technik ist nützlich, Virtuosität das Vehikel, Klugscheißerei verpönt. Telepathisch, beseelt, besessen und sinnlich bis zur Wollust.
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