BEWERTEN
 

Notorious B.I.G.

»Live After Death«

[Arista / BMG]

Text: Autor unbekannt

Der Big Popa, für den Armani und Versace in Übergröße maßschneiderten, kennt im wahrsten Sinne des Wortes ein „Leben nach dem Tod'. Sein gleichnamiges Nachfolgealbum zum vergleichsweise kompromißloseren Platin-Debüt „Ready To Die' repräsentiert den Einflußreichtum und die Macht des explosiv expandierten BadBoy-Camps: Mit WU TANGs RZA, GANG STARRs DJ PREMIER, MOBB DEEPs HAVOK, „Superman' CLARK KENT und BUCKWILD (u. v. a.: BRAND NUBIAN, O.C., ARTIFACTS) rissen sich Top-Notch-Producer aus allen N.Y.-Lagern darum, neben dem - mittlerweile ja auch auf Solo-Pfaden mega-erfolgreichen - Haus- und Hofproduzenten PUFF DADDY in dessen Studio Daddys House an den Reglern sitzen zu dürfen.

Als klare Gewinner und absolute Producer-Geheimtips stechen jedoch eindeutig die bisherigen No-Names NASHIEM MYRICK und CARLOS „JULY SIX' BROADY mit einer Reihe magisch-abstrakt/düster kickender Instrumental-Dramen (u. a. „Niggas Bleed') hervor. Aber auch in puncto Mikrofongastschar ließ sich der Dickmann nicht lumpen: R. KELLY croont zuckersüß über die kranke Sex-Ballade „Fuck You Tonight', JAY-Z transformiert gemeinsam mit Soul-Diva ANGELA WINBUSH deren Uralt-Hit „I Love You More' zum von EASY MOE BEE produzierten materialistischen Clubburner „I Love The Dough', und TOO SHORT läßt es sich nicht nehmen, zusammen mit PUFF DADDY ewiggültige Pimp-Tales („The World Is Filled ...') zu tradieren. Die Geschichten, die uns B.I.G. zu erzählen hat, bleiben nahezu die gleichen: Gangster-Ehrenkodex („What’s Beef' sowie das aufgrund des differierenden Rhymeflows bemerkenswerte BONE/THUGS’N’HARMONY-Kollaborationsepos „Notorious Thugs'), Gangster-Business („Somebody Got To Die'), daraus resultierende Probleme (wie auf der balladesken Gangsta-Grabrede „Miss U') und selbstverständlich Feministinnen erzürnende Sex-Stories („Nasty Boy', die erste Single „Hypnotize' oder auch das Gespielin LIL KIM featurende Red-Light-Special 'Another'). Außerdem wird der endgültige Schulterschluß mit dem Disco-R&B-Sektor hier nun offenkundig ausgespielt (DIANA ROSS’ Klassiker „I’m Comin Out' darf als massenkompatible Basis für den durch MASE und PUFF DADDY gedeckten Clubgroßangriff „Mo Money Mo Problems' herhalten). Die selbst für liberalste Gemüter schamlose Inszenierung und konsequent fortgeführte Vermarktung der Ermordung B.I.G.s auf dieser Doppel-CD muß wohl moralisch nicht mehr kommentiert werden. Vielleicht folgende Zusatzinformationen: die zweite Single wird wohl die 112-Kooperation „Sky’s The Limit' sein, und der Schlußtrack dieses durchwachsenen Werks nennt sich „You’re Nobody (Till Somebody Kills You)'. Im Grunde also ein Produkt, das nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ frappante Ähnlichkeiten mit dem letzten Werk unter eigenem Namen des medienwirksam perfekt aufgebauten DEATH ROW-Kontrahenten 2PAC aufweist. Auch hier gilt: nicht jedes Sample und nicht jeder Produzent, den man sich mit Geld kaufen kann, zeugt gleichzeitig auch zwingend vom guten Geschmack des Käufers. Aber, wie heißt es doch so treffend, „das letzte Hemd hat keine Taschen'!



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