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Solar System

»Solar System«

[Sonic Groove / Dogondke / VÖ: 03.07.2006 ]

Text: Autor unbekannt

Der „Acid Jazz' sei tot, konstatierte schon vor Jahren „Talkin’ loud'-Chef Gilles Peterson und trug mit dem von ihm konstruierten Kunstbegriff wohl auch einen Teil seiner kreativen Vergangenheit zu Grabe. Die Rechnung hat der gute Gilles jedoch ohne seine Jünger gemacht. Denn auch post mortuum sprießen die Blüten weiterhin ungehemmt. Zwar sind die Akteure, sprich Musiker & Produzenten, bemüht, neue, hippe Begrifflichkeiten zu etablieren, doch kommen auch sie an der Eigendynamik (= Trägheit) des Marktes nicht vorbei, der den Acid Jazz längst in den Status eines eigenständigen Genres erhoben hat. So bieten SOLAR SYSTEM für ihr Debüt-Werk zwar den Terminus „Intergalactic Funk' an, dahinter verbirgt sich jedoch bei den meisten der dreizehn Titel frischer und straighter Dancefloor Jazz.

In Kollaboration mit Keyboarder Rodney Lee und Rapper C.R.A.S.H. ist der in Hollywood lebende britische Gitarrist Chris Standring angetreten, um aus der Kombination von traditioneller Live-Instrumentierung des Jazz und Computer-gesteuerten Club-Beats eine neue Art der Fusion zu schaffen. Die Schwere der Beats wird durch sein luftiges Spiel abgefedert, das entscheidend von Wes Montgomery beeinflußt wurde. Eine leichte Affinität zum Funk ist in dieser Musik allgegenwärtig spürbar. Insbesondere die Eigenkompositionen, die unter Beteiligung von Standring, Lee entstanden, zeichnen sich durch eine reizvolle, relaxte Coolness aus, über der ein melodischer Fluß in spannender Konfrontation zu einer Melange aus Elementen des Jazz, Bebop, HipHop und Rap steht. Vertraute Anklänge finden sich ihrer viele, ohne daß der Stil in bloße Kopie abgleitet. So schaut in „What If?' George Benson herein und trifft in „Wes 4 Prez' Montgomery die Rap-Generation. „Me & Mrs. Jones', eine smoothe, Soul-orientierte Nummer, liegt als berechtigter Chart-Anwärter zudem in einem „Midnight Affair Remix' vor. Leider fällt das laue Cover von LOU REEDs „Walk On The Wild Side' aus dem ideenreichen Rahmen und wird, im Gesamtkomplex des Albums gesehen, gar zu einer überflüssigen Angelegenheit. Ein vielversprechender Anfang, der noch einiges für die Zukunft der Galaxis erwarten läßt.



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