BEWERTEN
 

The Jayhawks

»Sound Of Lies«

[American / RCA / VÖ: 06.10.2006 ]

Text: Autor unbekannt

Oha! Oder auch: Mein Gott! Daß die JAYHAWKS jemals wieder auftauchen würden, war nun wirklich nicht zu erwarten. Gemunkelt wurde von im Zuge der Aufnahmen zum Vorgänger 'Tomorrow The Green Grass' angehäuften Schulden, deren Höhe mindestens Kopfschütteln hervorrief. Nie würden die wieder eingespielt werden können, hieß es. Wen George Drakoulias produziert, der macht pleite, hieß es. Und: War mit Mark Olsons Abgang nicht der Verlust des möglicherweise begnadeteren Liedschmiedes des songschreiberisch über einen gehörigen Zeitraum ziemlich vorne befindlichen Autorenpaares Olson/Louris zu beklagen? Und waren es nicht die JAYHAWKS, die von vielen zu den entschiedensten Apologeten eines eventuell neuen, durch und durch entschlackten Country-Rocks gezählt wurden - und mit deren Scheitern in der Major-League ebenso viele Hoffnungen dahinschieden? Anyway.

Es gibt sie wieder. Und zwar anders, sogar erfreulich anders. Zu befürchten war mediokres Gegniedel, notdürftig zusammengehalten von okayen Songideen. Auch, daß sich der Geist ihrer steifen, phlegmatischen Live-Shows in 'Sound Of Lies' widerspiegeln würde. Nichts von alledem. Die verbliebene Besetzung Louris/Pearlman/Grotberg (und ihr neuer Drummer Tim O'Reagan) hat einen Wurf gelandet, der alle geschmäcklerischen Einwände der auf Bauchlandung spekulierenden Öffentlichkeit ad absurdum führt. Sie haben nicht versucht, Olsons Einfluß nachzuahmen. Sie verzichten auf alle vorhersagbaren Country-Rock- oder Americana-Einflüsse, wagen sich unter co-produzententechnischer Fuchtel von Brian Paulson (BECK, WILCO, SUPERCHUNK) vielmehr an fast schon bombastischen, dick aufgetragenen Rock. Der, und das überrascht nun wirklich, völligst un-amerikanisch funktioniert. Immer wieder dringen eigenartigerweise die BEATLES als Quervergleich durch - ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem der LENNON der JAYHAWKS nicht mehr dabei ist, bemächtigen sie sich einer leichtfüßigen, ideen- wie harmoniereichen Songkunst, die sowohl in Albumlänge als auch bezogen auf einzelne Songperlen atemberaubend ist. Das riecht, nicht zuletzt durch breitwandige Produktionsstrategie, hier und da perfiderweise recht streng nach Mainstream - und wird doch durch eine unbestreitbare Klasse und Pracht vor Beliebigkeit bewahrt. Lieder, wie aus Bronze gegossen - zeitlos schön. Lange nicht mehr so aus vollem Halse mitgesungen oder die Aufmerksamkeit meiner Mitmenschen durch geistesabwesendes Mitpfeifen auf mich gezogen. Die JAYHAWKS: Wieder da. Für hoffentlich lange. Wer hätte das gedacht.



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