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»Oblivians & The Revelators«

[02.04. - Hamburg, Marquee]

Text: Autor unbekannt

Ein Festival des Stakkato. Diesmal nicht im obligaten Trash-hangout von St. Paulis Kiez, chez Heinz Karmers, sondern im Zentrum der \"Jesus Freaks\", dem Marquee, gibt sich die aktuelle „Crypt“-Posse ihr Stelldichein. Daß trotzdem die Zuschauer strömen, ist bestes Indiz dafür, daß das geschmackssichere Ehepaar Warren auch für die Zeit nach JON SPENCER sein Kleinod im Biz gepachtet hat. \"Crypt rec.\" in 1997 ist nicht nur ein Rettungsanker des Rock’n’Roll, sondern auch mehr als alles andere: corporate identity. Identität einer naiven Liebe zu halbseidener Hardcore-Attitüde, die Seele aber kennt kein PC-Dogma. Und wenn die Bands eines können, dann Tempo machen.

Sie rumpeln mit einer Kettensäge durch den Porzellanladen des Soul und flicken den Scherbenhaufen anschließend mit Hammer und Nagel zusammen. Böse meinen die das nicht.
Junge Männer wie die REVELATORS kennen keinen Argwohn. Die machen ihren Rockabilly so gut es eben geht. Keine Kante wird dabei abgerundet. Im Gegenteil, sie schergeln so eckig, als spielten sie auf Bratpfannen statt den formschönen Telecastern. So akkurat die Koteletten sitzen, so stramm geht man auch durch die klassischen Blues-Schemata. Weiß Gott nicht das originellste Signing von Tim \"White wine\" Warren, dafür aber das disziplinierteste.
Die gottgleichen OBLIVIANS haben mehr drauf. Daß ihr demnächst erscheinendes Album \"Play 9 Songs With Mr Quintron\" nicht mehr nur die Konsolidierung ihres Fleischwolf-R&Bs darstellt, sondern die offensichtliche Fortentwicklung in Richtung schwarzer Musik, beweisen sie auch heute Abend. Sensationell, wie elegant sich die drei ungleichen Brüder inzwischen durch ihre markigen Arrangements hangeln. Man bekommt das Gefühl, als schwängen in den Grundbeats schon Disko-Vibes mit. Auf ihrem Debüt \"Soul Food\" huldigten sie mit \"Ja, Ja, Ja\" ihren Idolen aus Großenkneten, TRIO. Jetzt sind die OBLIVIANS im generativen Kontext von Swing Beat vs. Drum&Bass soweit, die zeitgemäße Nachfolge von Remmler und Konsorten anzutreten. Nie groovte Punk bewußter, nie klopften Weiße unnachgiebiger auf die Eins! Wenn es einen Menschen gibt, der den Schatten von ELVIS ausschwitzt, heißt er nicht Al Bundy, sondern Jack Oblivian. Mit ihm wird die künstlerische Direktverbindung zwischen der lauschigen Südstaatenmetropole Memphis und Las Vegas wiederhergestellt. JON SPENCER hat sich mit dem kruden New Yorker Avantgardisten identifiziert, mit dem ihn die Medien so oft haben gleichzusetzen versucht. Die drei Cowboys aus Tennessee eignen sich also bestens als neues Symbol für die Authentizität im Rock'n’Roll.
Im Club mit dem traditionsreichen Namen wurde heute ein altes Kapitel neu geschrieben. Drei Attribute erwiesen sich dabei als weiterhin unumgänglich: 1. Schweiß, 2. Sex und 3. das, was die Rockterminologie gemeinhin mit \"A-whoppa-be-lula-a-whop-bam-bum\" bezeichnet.



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aus Intro #44 (Mai 1997)
 
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